Probefahrt Vivax Assist


E-Bikes im Rennrad-Blog? Ach hör‘ doch auf!

Eigentlich stehe ich nicht auf E-Bikes. Und E-Bike-Wettbewerbe, wie bspw. die E-MTB-WM, sind mir total zuwider. Das ist nämlich nur Marketing-Tam-Tam der Fahrradindustrie.

Allerdings bieten E-Antriebe eine gute Möglichkeit, unterschiedlich starke Fahrer miteinander trainieren zu lassen.

Vivax

So war mein Interesse geweckt als ich auf der Eurobike 2016 am Stand von Vivax aus Österreich vorbei lief. Vivax, die mit Ihrem Nachrüstsatz Vivax Assist jedem Rad elektronisch Beine machen können, sind die Pioniere auf diesem Gebiet.

Vivax Assist kann als Nachrüstsatz dezent im Sitzrohr untergebracht werden, solange der Innendurchmesser 30,9 oder 31,6 mm beträgt und der Rahmen aus Aluminium, Stahl oder Titan ist (Carbon auf Anfrage). Natürlich bieten die Österreicher über Ihr umfangreiches Händlernetz auch Kompletträder an.

Mechanischer Betrug

Zu trauriger Berühmtheit ist Vivax gelangt, weil der Vivax-Assist-Antrieb beim ersten offiziellen ‚E-Doping‘ durch Femke van den Driessche verbaut war, auch wenn das Rad nicht zum Einsatz kam.

Neugierde

Genau das machte mich neugierig. Wie fährt sich der Antrieb, wollte ich wissen, und kann man mit dem System wirklich bescheißen, wenn man denn will?

Der Vivas Assist Antrieb

Vivax Assist MotorDer Sattelrohrmotor ist lt. Hersteller mit 1,8 kg (inkl. Akku) der weltweit leichteste Elektromotor für Fahrräder. Unsichtbar verbaut im Sattelrohr überträgt er den individuellen Leistungsoutput per Knopfdruck am Lenker direkt auf die Tretkurbel.

Bei ausgeschaltetem Motor funktioniert das Fahrrad dank Freilauf wie gewohnt widerstandslos.

„Ein“ und „Aus“ sind unkompliziert während der Fahrt möglich. Das geschieht immer über den Knopf am Lenker. Ausschalten kann man den Antrieb außerdem, wenn man bremst oder die Pedale wenige Zentimeter rückwärts bewegt, also wie bei einer Rücktritt-Bremse.

Außerdem schaltet er bei Geschwindigkeiten über 25 km/h automatisch ab, was deutscher Gesetze entspricht. Vermutlich kann man diese Abregelung elektronisch ausschalten und ggf. ist der Motor in anderen Ländern ohne diese Limitierung zu haben. Das weiß ich aber nicht so genau.

Der 200-Watt-Motor des Vivax Assist hat einen max. Output von 120 Watt an der Kurbel, die mit dem standardmäßig gelieferten 6 Ah Lithium-Ion-Akku (Gewicht 850 gr.) mindestens 60 Minuten zur Verfügung stehen sollen. der 9 Akku (Gewicht 1250 gr.) schafft lt. Hersteller mindestens 100 Minuten bei Volllast.

Testfahrt

Das konnte ich bei meiner etwa einstündigen Testfahrt im Umland von Friedrichshafen bedingt testen. Ich hatte den Akku natürlich nicht immer laufen. Zum einen war ich oft mit >25 km/h unterwegs, zum anderen wollte ich das Verhalten beim Ein- und Ausschalten testen. Jedenfalls war nach meiner Testfahrt immer noch Power an der Tretkurbel. Aber man muss auch sagen, dass ich das Testrad nicht direkt von der Steckdose, sondern von einem anderen Testfahrer übernommen hatte.

vivax-assist

Fahrverhalten

Ungewohnt, ungewohnt, ungewohnt, muss ich sagen!

Wie man ganz oben im Video sieht, treibt der Motor die Tretkurbel mit einer gewissen Leistung an, sobald der Knopf gedrückt ist. Bei höherer Trittfrequenz wird mehr Leistung abgegeben und bei niedrigerer Trittfrequenz etwas weniger. Ist man aber erst einmal in einer höheren Trittfrequenz und will diese verringern, muss das sanft geschehen. Abrupt geht da gar nichts. Ähnlich wie beim Singlespeed ohne Freilauf zerrt der Antrieb an der Kurbel bzw. den Füßen.

Sieht man von ferne eine rote Ampel, kann man nicht einfach locker auslaufen lassen. Nein, entweder zieht man kurz an den Bremsgriffen oder tritt mit den Pedalen einige Zentimeter nach hinten. Den Ausschaltknopf zu drücken macht keinen Sinn, weil er – zumindest beim Testrad zu weit innen am Lenker saß. Man will ja nicht immer umgreifen, wenn man kurz darauf bremsen muss.

Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit lernt man es aber. Bei eingeschaltetem Motor in Gruppe fahren, stelle ich mir aber herausfordernd vor.

Aber dafür ist der Motor nicht gedacht. Wenn man längere Touren fahren möchte, schaltet man ihn v.a. bei Steigungen zu. Schwachen Fahrern ist dann sehr geholfen und die stärkeren müssen nicht ständig warten.

Geräusch

Überrascht war ich von der Geräuschentwicklung. Der Motor summt und ist für den Fahrer dezent hörbar. Mitfahrer werden das Summen aber kaum wahrnehmen. Schließlich macht das eigene Rad Geräusche, die das Summen überlagern dürften.

Wenn Du hierzu Praxiserfahrungen hast, freue ich mich auf Deinen Kommentar hier im Blog.

E-Doping

Falls man die 25-km/h-Begrenzung ausschalten kann (und ich wette das geht), hat man bei Bedarf max. 120 Watt zusätzlich auf dem Pedal. Das ist schon was und wird so manchen Jedermann über die Option nachdenken lassen.

Aber selbst mit abgeriegeltem Motor machen die 120 Watt am Berg den Unterschied.

Auch gibt es bei Vivax einen als Trinkflasche getarnten Akku. Femke van den Driessches Helfershelfer war aber sogar in der Lage, den Akku komplett im Rahmen verschwinden zu lassen. Das ist also kein Teufelswerk.

Die Geräuschentwicklung, v.a. wenn man am Berg und nicht in Gruppe fährt, ist m.E. zu vernachlässigen.

Ich wage deshalb zu behaupten, dass der Vivax-Motor bei Jedermannrennen längst im Einsatz ist.

Verkaufspreis Nachrüstsatz

2.699,00 Euro inkl. 6 Ah Akku

2.898,00 Euro inkl. 9 Ah Akku

Einbau

Der Einbau des Nachrüstsatzes schlägt laut Homepage des Herstellers mit 159 EUR zu buche.

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Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.

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