Höllenritt

Das war also Rund-um-Köln, oder Velodom, wie die Veranstaltung jetzt heißt.
Auch wenn das Wetter mit Regen, Kälte und heftigen Windböen äußerst übel war, bin ich im Nachhinein froh, mitgefahren zu sein. Aber der Arsch ging mir ziemlich auf Grundeis, weil es verdammt seifig und rutschig war.
Letztes Jahr hatte ich einen 33,5er Schnitt, war aber schlecht platziert. In der Gesamtwertung der Männer belegte ich Rang 1185 von 1928 Startern. In meiner Altersklasse, Master 2, wurde ich 476ster von 758.
Dieses Jahr fuhr ich einen 32er Schnitt, dem Wetter geschuldet, und belegte Rang 599 von 1344 Startern bzw. Rang 205 von 473 in der M2-Wertung.
Vergleichbar ist das nicht, da aufgrund des schlechten Wetters, viele gemeldete Sportler zuhause geblieben waren.
Setzt man die Zahlen aber ins Verhältnis, könnte man sagen, dass im vergangenen Jahr etwa 39 % des Feldes langsamer war. Dieses Jahr waren etwa 56 % der Männer langsamer als ich.
So gesehen also gar nicht mal so schlecht, obwohl ich bergab und in den Kurven bzw. Abbiegungen schon arg oft runter gebremst habe. V.a. bei der langen Abfahrt, die ich im letzten Jahr so klasse fand, habe heute bestimmt 30 % Speed raus genommen. Der Grund waren die lang gezogenen Kurven, die man bestimmt mit 65 km/h hätte nehmen können, die aber mit Kanaldeckeln gespickt waren. Kanaldeckel mit einer Gesamtfläche aus Eisen, nicht wie die herkömmlichen Deckel mit einem Metallring und Teer im inneren Kreis. Da es mir vorher schon bei einer Abbiegung das Hinterrad auf einem Kanaldeckel weg gerissen hatte, wollte ich keinerlei Risiko eingehen und blieb auf den Bremsen.
Vorsichtig hatte ich schon das Rennen begonnen und blieb im C-Startblock weit hinten. Dem entsprechend ausgeruht konnte ich die drei Steigungen relativ einfach nehmen, wobei der Kopfsteinpflasteranstieg am Bensberger Schloss nur vorsichtig zu bewältigen war. Ich wusste zwar, dass ich nicht im Wiegetritt hoch fahren konnte, weil es einfach zu seifig war, aber selbst im sitzen rutschte das Hinterrad durch, sobald ich etwas zuviel Druck aufs Pedal gab. So höckelte ich im Tempo des Gesamtfeldes den Anstieg hoch, anstatt  an den Jungs vorbei zu ziehen.
Nach dem dritten Anstieg ging es wie gewohnt in Großgruppe auf die letzten 20 Kilometer. Aber auch hier war das Tempo selten schneller als 40 km/h und man ging nur ungern direkt ans Hinterrad des Vordermannes. Zu schlecht war die Sicht wegen des Spritzwassers und dicker Tropfen auf der Brille.
Dennoch waren die letzten 5 Kilometer reinstes Racing. Ich setzte mich mit einer kleinen, vielleicht 10 Mann starken, Gruppe ab und holten noch einige Fahrer ein. Auf der Rheinbrücke fegte der Wind in heftigen Böen seitlich von vorne. Noch eine letzte Kehre und auf die Zielgerade. Schon 600 Meter vor dem Ziel war ich nicht mehr im Windschatten. Die Böen trieben mir den Regen ins Gesicht und hinter mir lauerten sie in meinem Windschatten. Bei 400 Meter kam der Angriff, aber meine Kette war ziemlich weit rechts und ich hatte noch genügend Körner um dem Gegenwind mit 44 km/h zu begegnen. So konnte ich den Gruppenzielsprint gewinnen.
Im Hotel merkte ich später, dass meine Videokamera schon nach fünf Minuten aufgegeben hatte, sodass ich das nicht im Bild dokumentieren konnte.
Mein Dank gilt übrigens dem Novotel Köln City. Die Sportler durften ihre Zimmer kostenfrei länger behalten, sodass man nach dem Rennen noch in Ruhe duschen oder baden konnte. Klasse Service. Da kommt man gerne wieder.

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