Lezyne Mega xl

Ein Gastbeitrag von Andi

Sowie Strava das Facebook für Radsportler ist, gehörte bis vor einiger Zeit auch ein Garmin aufs gute Bike. Neben dem Edge 1000 waren auch viele Zweiradenthusiasten vom kleinen Edge 820 angetan. Nur leider hat der kleine Tausendsassa oft seinen eigenen Kopf. Die vielen Funktionen machen das Edge 820 zwar einzigartig, aber vielleicht ist das alles viel zu viel für so ein kleines Ding.

Das Garmin der Philosophie von unabhängigen Geräten treu bleibt, geht zulasten einer zeitgemäßen Userfreundlichkeit, wie man sie bspw. vom Wahoo ELEMNT kennt. So können Einstellungen nicht bequem übers Handy sondern nur auf dem kleinen Touch-Display gemacht werden. Der Unmut über die träge Weiterentwicklung, die kurze Akkuzeit bei kalten Temperaturen und dem eigenwilligen Touchdisplay wächst. Da ist es nicht verwunderlich, dass andere Multitalente aus ihrem Schattendasein hervorspringen – allen voran sicher der Kronprinz Wahoo Elemnt. Aber es gibt auch gute Underdogs und deshalb habe ich den neuen Lezyne Mega XL GPS Ende September mit auf einen Ausflug nach Norditalien genommen.

Unboxing

Im Vergleich zum Edge 820 und Elemnt Bolt wirkt das Mega XL klobiger. Aber bei angegebener 48h Akkuzeit und damit 3x länger als die Konkurrenz auch kein Wunder. Jedenfalls sieht es robust aus. USB-Kabel, wie üblich ohne Netzstecker und ein Mount für den Vorbau. Den sonst obligatorischen Lenkermount packt Lezyne nicht dazu.

Display & Handling

Lezyne Display

Die Lesbarkeit des Displays ist die Stärke des Mega XL. Der Screen erinnert an die Klassiker von Sigma. Wie beim Garmin können die anzeigbaren Seiten zu Themen zusammengefasst und je nach Art des Trainings ausgewählt werden. Bei Garmin sind das Trainingsseiten, bei Lezyne werden die Seiten Bikes zugeordnet. Kleiner Vorteil gegenüber Wahoo Elemnt. Hier müssen die für die anstehende Tour benötigten Seiten einzeln aus bzw. eingeblendet werden. Allerdings können bei Lezyne die möglichen 3 bis 10 Datenfelder nicht verschoben werden. Umsortieren heißt in diesem Fall alle Inhalte neu auswählen.

Von km/h bis zu T-Score ist alles dabei, was man fürs Training braucht oder nicht braucht. Das wird über die App oder, etwas eingeschränkter, auch am Gerät selbst gemacht. Die fehlende Anzeige der Leistungsdaten auf der Navigationsseite und die vor einem liegende Steigung in grafischer Form wären ein nettes Gimmick gewesen. Am Gerät selbst sind seitlich links und rechts jeweils zwei zweifach belegte Knöpfe.

Während der Fahrt

Auf den On-Button drücken und das Lezyne ist in nullkommanix an. On the Road punktet es mit dem hervorragendem lesbaren Display. Das Umschalten zwischen den Seiten ist etwas schwergängig und erfordert Gegendruck, was aber kein schwerwiegendes Manko ist. Gut ist, dass die Seiten vorwärts und rückwärts “geblättert” werden können. Es gibt zwei Seiten für die Navigation. Die erste ist die Karte, die zweite zeigt mit einem Pfeil die Richtung an und KM/H und Fahrzeit. Verändern lässt sich das nicht. Ich finde zwei Seiten störend, weil ich dadurch während der Fahrt noch eine weitere Seite durchklicken muss. Am Ende wird die Tour automatisch über das Smartphone mit Strava, Todays Plan und/oder Trainingpeaks synchronisiert.

Am Handy ankommende WhatsApp Nachrichten können eingeblendet werden. Andere Geräte zeigen nur traditionelle SMS. Weil ich der angegebenen Akkuzeit noch so recht glauben wollte, hab ich sie selbst getestet. Es gibt viele Testabläufe, die doch immer nur einen mehr oder weniger nachvollziehbaren Durchschnittswert angeben. Ich habe deshalb einen besonderes aufwendigen Test vorbereitet ;-) Gerät aufladen, einschalten und laufen lassen. 48 Stunden hat die Batterie nicht gehalten, mit 44:20 aber nah dran.

Burn time  Lezyne Mega XL

Navigation

Routen auf das Gerät zu bekommen läuft online über die GPS-Root Seite von Lezyne. Das ist einfach: Login und hochladen einer vorhandener .gpx oder eine Route in der Handy-App erstellen. Direkter Synch mit Komoot wie bei Wahoo wäre eine tolle Sache, um dort gespeicherte Routen gleich auf dem Gerät zu haben. Andererseits ist das bei Wahoo auch nicht bis zuende gedacht, denn die Liste der Routen auf dem Elemnt wird mit zunehmender Zahl an Routen im eigenen Komoot-Account länger und länger. Routen vom Strava-Account können bei Wahoo dagegen als Favoriten gekennzeichnet werden, aber hey, wer kann gpx-Routen in Strava importieren und der Routenplaner von Strava ist mehr schlecht als recht zu gebrauchen.

Datenseiten

Damit das Lezyne Mega XL überhaupt weiß wo man ist, müssen Gebiete von der Website runtergeladen werden. Hier gibt es keine vorgefertigten Karten, sondern ich kann selbst ein Gebiet auswählen, runterladen und aufs Gerät kopieren. Tipp: Aber nicht einfach Gebiet auswählen und unten auf Download klicken. Zuerst auf den Button “Create Download Map” über der Karte klicken. Negativ ist, dass die Dateinamen nicht geändert werden dürfen (oder sollen). So weiß man nicht welche Karte auf dem Gerät nun der Gardasee, der Hometrail oder der nächste Urlaubsort ist. Das mag am Anfang unwichtig erscheinen. Wenn der Speicher voll ist, wird es aber interessant zu wissen welche Karte man braucht und welche nicht. Das die Navigation nicht das Steckenpferd vom Lezyne Mega XL ist, wird an der spärlichen Darstellung der Karte sichtbar. Selbst in der größten der drei Zoom-Level werden keine Straßennamen angezeigt und die Karte ist, sagen wir mal, pragmatisch gestaltet.

Kartendarstellung  Lezyne Mega XL
Wahoo ELEMNT Bolt  Lezyne Mega XL

Um unterwegs ein neues Ziel einzugeben, muss wie beim Elemnt das Handy bemüht werden, während das Edge von Garmin völlig unabhängig von anderen Geräten arbeitet. Zumindest ist aber beim Elemnt das Go-Home Feature und eine andere Route direkt am Gerät auswählbar. Positiv beim Lezyne Mega XL ist, dass der Weg vom aktuellen Standort zur Route auch angezeigt werden kann. Ich habe das beim Testen des Geräts natürlich übertrieben.

Lezyne Routenplaner

Die App

Die Ally App verbindet sich mit dem Gerät problemlos und funktioniert ebenso. Gemachte Fahrten können angesehen werden, die Navigation wird von hier aus gesteuert. Strava Life Segmente und Tracking für die Zuhausegebliebenen sowie Kontoeinstellungen inklusive Verbindungen zu anderen Diensten sind übersichtlich sortiert und alles läuft flüssig. Was man wissen muss: Mit “GPS Einstellungen” ist das Lezyne Mega XL gemeint.

Lezyne App

Strava, Todays Plan und TrainingPeaks

Ich bin ein Freund unabhängigen Trackingtools und will mich nicht für jedes neue Gerät wieder irgendwo anmelden, aber da komme ich auch bei Lezyne wegen der Navigation nicht umhin. Dementsprechend voreingenommen betrete ich die Lezyne-Root Website, das ist vergleichbar mit Garmin Connect. Mir fallen sofort die beiden Werbeblöcke oben und unten unangenehm auf. Es gibt ein Dashboard und einen Kalender mit den üblichen Angaben und sortierbar nach allem möglichen. Zugegeben, das Multichart der Aktivitäten ist besser, als ich erwartet habe und ich musste schon suchen, um was schlechtes zu finden. Der Kartenausschnitt ist zu groß ;-).

Auf der Root-Website werden auch Karten und Routen hochgeladen, die dann mit der Handy-App sofort synchronisiert werden. Aber Achtung, der angezeigte Name ist nicht der in der GPX eingetragene Titel wie beim Elemnt, sondern der tatsächliche Dateiname. Eine Änderung nach dem Upload ist nicht möglich, d.h. besser vorher die GPX-Datei richtig benennen. Ich habe für dies Produktreview versucht Trainings auf dem Gerät zu fahren, die ich in Todays Plan vorbereitet hatte. Obwohl in der App verschiedenen Drittanbieter aufgelistet waren und ich mit Todays Plan verbunden war, wurden keine Trainingseinheiten angezeigt.

Auf der Supportseite sind eine ganze Reihe an FAQs, doch wie häufig eben nicht für den individuellen Problemfall. Ein Mail an den Support blieb auch nach einer Woche unbeantwortet. Das Synchronisieren von Aktivitäten mit Strava, TrainingPeaks und Todays Plan (was in der App übrigens “Tagesplan” heißt) funktioniert anstandslos.

todaysplan
Lezyne Dashboard
Vergleich

Kann das Lezyne Mega XL mit dem Edge und Elemnt mithalten? Für unter 200,- plus 18,- für den Lenker-Mount bekommt man einen Bikecomputer mit tollem Display und Features, die den teureren Geräte von Garmin und Wahoo in nichts nachstehen. Minuspunkt gibt es für die Reaktionszeit des Support. An der Hardware ansich ist nichts auszusetzen und in Punkto Akkuzeit ist der Mega XL ein Ausreisser, der bis zur Ziellinie durchhält. Das ein neues Gerät kein USB-C hat ist unbequem, aber kein Killerargument.

Für alle, die eine hervorragende Darstellung ihrer Werte während der Fahrt wollen und Navigation nicht im Vordergrund steht, ist das Lezyne Mega XL eine sehr gute Wahl. Wer ein Mehr an Kartendarstellung und Navigation braucht und auf gute Usability Wert legt, greift zum Wahoo Elemnt oder Elmnt Bolt.

Website zu Mega XL

Leyzne Mega XLGarmin Edge 820Wahoo Elemnt Bolt
Gewicht83 gr67,7 gr62 gr
Abmessung78,3 x 57,5 x 26,6 mm73 x 49 x 21 mm74,6 x 47,3 x 22,1 mm
Display (Diagonale)68,6 mm*58,4 mm56 mm
Akkuzeit (max)48 Stunden15 Stunden15 Stunden

Alle technische Daten sind Angaben des Herstellers, wenn nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um selbst eruierte Angaben handelt.
*gemessen

Kurzinfo zu Lezyne

Lezyne wurde 2007 vom deutschen Triathleten Micki Kozuschek gegründet. Zuvor hatte er sich bereits als Distributor für Radbekleidung und Bikes betätigt und in den USA eine Firma für Komponenten gegründet, die 2004 von SRAM übernommen wurde. Lezyne stellt heute Radkomponenten her und ist vor allem für Beleuchtung bekannt. 2015 kam der erste selbst entwickelte GPS Computer auf dem Markt. Das aktuelle Sortiment umfasst neben den Computern und Lampen auch Leistungsmesser, Pumpen, Taschen, Werkzeug und Flaschenhalter. Alle Produkte werden in “eigenen” Produktionsstätten in Taiwan hergestellt.

2 Kommentare
  1. Mischa sagte:

    Moin,
    Danke für die detaillierten Infos. Eine Frage bleibt noch: ist das Lezyne mit dem Garmin Mount kompatibel? Oder hat es einen eigenen Standard. Sorry, falls Ichs überlesen haben sollte.

    Antworten

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