Heute Abend wollte ich mich eigentlich nicht mit Texlock beschäftigen, stolperte dann aber über einen gerade veröffentlichten Blogartikel auf der Texlock-Seite, der sich u.a. auf mich bezieht, auch wenn ich nicht genannt werde. Aber die 32 Sekunden werden genannt; indirekt also ich!

Erwähnt wird nicht, dass es ein Youtube-Video gibt, wo das Zersägen des Seils nur 8(!) Sekunden gedauert hat.

So weit so gut.

Folgende Behauptungen werden in der Texlock-Stellungnahme gemacht, die ich kommentieren möchte:

Wir sagen: Das tex–lock ist sicher. Wir kommen wir zu dieser Aussage bzw. wie definieren wir Sicherheit.

Aha, Texlock behauptet also weiterhin, tex-lock sei sicher!

Laut des ADFCs erfolgen die meisten Diebstähle, weil Fahrräder abgeschlossen und nicht angeschlossen werden. Sie werden einfach weggetragen und die Schlösser werden dann in Ruhe geöffnet. Hier beginnt die Stärke des tex-locks, denn dank seiner Flexibilität kann ein tex—lock wesentlich umfassender Fahrräder anschließen als z.B. herkömmliche Bügelschlösser.

Hört, hört, tex-lock ist sicher, weil man damit das Rad an einem Gegenstand festmachen kann, damit es nicht gleich weg getragen werden kann. Wenn das sicher ist, reicht ein 5-Euro-Spiralschloss von Aldi oder Lidl genauso.

Weiterhin sprechen wir bei dem tex—lock von einer guten, mittleren Sicherheit, die vergleichbar mit Kettenschlössern ist. Auch viele von diesen konnten in Sekunden geöffnet werden. Mit diesem Test setzte sich der Arbeitsschutz der Konsumentenkammer in Österreich im vergangenen Jahr auseinander und lies einen handelsüblichen 78 cm langen Bolzenschneider auf 15 Testschlösser los.

Ich bin kein professioneller Schlossknacker. Bei uns im Baumarkt gab es nur Bolzenschneider mit einer maximalen Länge von 60 cm. 78 cm ist schon ein Riesenkaliber. Aber gut. Schlösser, die sich damit öffnen lassen, würde ich ebenfalls nicht als sicher bezeichnen wollen. Dass bei dem von Texlock angeführten Test nur ein Schloss nicht geknackt werden konnte, ist erschreckend, macht das tex-lock-Schloss aber nicht sicherer.

Wer ein tex–lock innerhalb von 32 Sekunden, unabhängig des verwendeten Werkzeugs zerstört, würde sich laut dieser Statistik in einem guten Mittelfeld bewegen.

„Sicher“ ist ein tex-lock damit noch lange nicht, sondern befindet sich höchstens in schlechter Gesellschaft.

Als wir unser Projekt in der Crowdfunding-Phase vorgestellt haben, hatten wir einen Prototyp unseres tex—locks im Kopf, der allen Angriffen mit Handwerkzeugen standhalten sollte. Wir haben diese Vision illustriert und mit allen Kickstartern geteilt.

Korrekt. Mit diesem Versprechen wurden Kickstarter-Investoren überzeugt! „Saw resistent“ war nur eine der versprochenen Produkteigenschaften.

 

In der weiteren Entwicklung zeigte sich aber, dass zum Start nicht alles an dieser Überlegung zu 100% in die Serienreife zu übersetzen war. Wir haben unsere Unterstützer über diesen Projektverlauf informiert und bei der Markteinführung sehr darauf geachtet die Einschätzung des tex—lock klar zu formulieren.

Das ist eine kühne Behauptung, die m.E. nicht haltbar ist! Als „Kickstarter“ der ersten Stunde wurde mir nie eine Kommunikation übermittelt, die darüber informierte, dass die vorgestellten Produkteigenschaften nicht erreicht werden können. In keiner Weise wurde darauf hin gewiesen, dass der Sägeschutz nicht realisierbar sei.

Es gab insgesamt 22 Kommunikationen, die der geneigte Leser auf Kickstarter durchforsten kann.

Einzig im Update #14 gab es einen Hinweis zu Änderungen am Seil. Ich zitiere: „Auf den letzten Metern in Richtung der Serienreife haben wir eine notwendige produktionstechnische Änderung am Seil vorgenommen, wodurch sich auch Änderungen beim Anfügen der Ösen an das Seil ergeben haben. Keine Sorge – funktional und optisch wird es hierbei keine Einschränkungen geben. Es betrifft vielmehr eine Änderung im Herstellungsprozess, die uns derzeit eine Menge Zeit und Nerven kostet.“

Ich wiederhole: „funktional und optisch wird es hierbei keine Einschränkungen geben“

@tex-lock: Bitte zeigt der Fairness halber, wo, wann und wie Ihr auf die veränderten Eigenschaften des Schlosses hin gewiesen habt.

Unsere eigenen Tests zeigten: Unter realen Bedingungen ist die Aufbruchzeit mit der Säge um ein einiges verlängert!

Um einiges verlängert? Wie lange hat Texlock denn für das Zersägen des eigenen Seils gebraucht? Diese Frage wollte mir tex-lock vergangene Woche nicht beantworten. Das war der Grund, warum ich zur Säge griff!

Länger als 32 Sekunden? 8 Sekunden hat schon jemand geschafft. Ich wette, dass ich im zweiten Versuch unter 20 Sekunden brauche. Dafür muss ich nur das Seil mit dem Fahrradrahmen spannen und schneller/kräftiger sägen!

Wir haben uns bei der Prüfung unseres tex—lock an den Vorschriften der DIN EN 15496 orientiert. Diese haben wir bereits in unserem Blogbeitrag „wie sicher ist ein tex–lock“ vorgestellt und auch die Ergebnisse aufgearbeitet.

Diese Aussage schlägt dem Fass den Boden aus! Wie bitte? „… an den Vorschriften der DIN EN 15496 orientiert“? Genau! Orientiert und nicht mehr. In dem hier verlinkten Blog-Artikel „wie sicher ist tex-lock“ werden fünf Vorgaben der DIN-Norm erwähnt, die tex-lock erfüllt. Dass ein Schloss nach DIN EN 15496 auch einer Sägedauer von 45 Sekunden standhalten muss, wird von tex-lock elegant verschwiegen. Ein Schelm, der böses dabei denkt!

Eine Zertifizierung zu erlangen, wie unsere bestehenden Kollegen am Markt sie besitzen, war aus verschiedenen Gründen nicht möglich, unter anderem auch, weil die DIN Norm für Metallschlösser ausgelegt ist.

Dass man die Zertifizierung sowieso nicht bekommen hätte, weil die Sägestandfestigkeit nicht gegeben ist, hätte tex-lock im Rahmen der Krisenkommunikation erwähnen müssen. Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber geht anders.

Aber noch viel erschreckender waren für uns allerdings die Reaktionen und Entwicklungen, die der mediale Zerstörungssport in kürzester Zeit genommen hat. Auf der einen Seite haben wir unglaublich viel Zuspruch von unserer Community und unseren Fachhändlern erhalten. Dafür möchten wir Danke sagen. Aber auf der anderen Seite haben wir Anfeindungen und eine Polemik als Gründerinnen eines noch jungen Start-Ups erfahren, wie wir sie nie erwartet hätten. Es schien als haben wir mit unserem Textilschloss ein urmännliches Bedürfnis geweckt. Wie kann es sein, dass sich Frauen der männlichen Domäne „Schutz“ und „Sicherheit“ bemächtigen wollen? In den sozialen Kanälen wurden wir überschüttet mit Kommentaren wie:
 
…

Mir ist es absolut Wurst, ob die Damen und Herren aus Leipzig nun Gründer oder Gründerinnen sind.

Frauenfeindliche Kommentare werden bei mir in der Regel schnell gelöscht, auch auf Youtube.

Sicherlich gab es mindestens genau so viele schlechte Produktentwicklungen von Männern, wie von Frauen.

Was mir nicht gefällt ist die Tatsache, dass Texlock sich im Rahmen ihrer Krisenkommunikation der Genderdiskussion als Argument bedient. Was will man damit bezwecken? Mitleid erreichen? Vom eigentlichen Problem ablenken? Kein noch so übler Kommentar, ob frauenfeindlich oder nicht, macht das Problem besser. tex-lock widersteht der Säge nicht! Das ist Fakt. Der gutgläubige Kunde ist der Gelackte. Die Kundin natürlich genauso.

Nochmals frage ich mich, ob es o.k. ist, dass Texlock das Schloss auf der Verpackung und in der werblichen Kommunikation als „sicher“ deklariert. Klar kann man anführen, dass andere Schlösser auch nicht sicherer sind. Aber welches der anderen unsichern Schlössern wirbt mit der Aussage „sicher“?

P.S.:

Werben mit dem Begriff „Sicherheit“? Sehe ich hier Parallelen?  Die Luft für Texlock könnte dünn werden, meint ein befreundeter Anwalt.

Ich wünschte, Texlock würde sich endlich bei seinen Kickstarter-Investoren und Kunden entschuldigen, das Produkt verbessern und eine kulante Lösung für bisherige Käufer (und Käuferinnen) finden. Ist das zu viel verlangt?

Leider übertrumpft hier Kohle die Moral!

Die derzeitige Krisenkommunikation von Texlock halte ich für unverschämt; dem Kunden und der Kundin gegenüber.

 

 

28 Kommentare
  1. P.Brandt sagte:

    Statt einer zu erwartenden Umtauschaktion für die Erstkäufer, die enttäuscht wurden und dies auch tex-lock mitgeteilt haben, verschickt man nun eine Aufforderung an die Erstkäufer ein neues, verbessertes Schloß zu kaufen mit einem Preisnachlass
    von 30 %. Man verschafft damit tex-lock eine Umsatzsteigerung ohne, dass man bereit wäre das „mangelhafte“ Schloß um-
    tauschen zu müssen. Das mangelhaft Schloß bleibt beim Käufer. Ich bleibe gspannt, ob es jemand riskiert evtl. mit Unterstützung einer Verbraucherzentrale, tex-lock juristisch in Produzentenhaftung wegen des garvierenden Mangels & der
    unzutreffenden Leistungsbeschreibung zu belangen.

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  2. Anonymous sagte:

    Ich habe mir für 129 Euro das lange Tex Lock gekauft und war ein großer Fan und von seiner Praktikabilität sehr begeistert. Nun haben sie heute Nacht meinen damit befestigten Anhänger gestohlen und ich fand im Netz das 8s Video und ich bin echt angenervt…dass es so leicht zu knacken ist hätte ich nicht gedacht…schade.

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  3. Roland sagte:

    Hallo Claude, auch ich habe ein Tex Lock Schloss gekauft da ich dem Werbeversprechen und den Tests z. B. Pro 7 Galileo geglaubt habe. Nachdem nun aber mehrfach andere Videos zu finden sind die große Sicherheitslücken aufweisen habe ich mich an tex lock gewannt um das Schloss zurück zu geben. Erst habe ich außer einer standardmail “ das meine Anfrage eingegangen ist und bearbeitet wird“ erhalten und danach eine Mail in der man meine Bedenken versteht und mir die Stellungnahme der Homepage zugesandt was äußerst unbefriedigend ist. Ich würde gern das schloß zurückgeben. Gibt es da Möglichkeiten das ganze als Mangel zu sehen? Hat jemand Erfahrung

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    • Rainer Roth sagte:

      Ich habe mein Tex Lock Schloss mit einem Schreiben zurück gesandt. Mit einer E-Mail im Anhang das zurück Senden angekündigt. In dem Schreiben die nicht vorhandene aber angepriesene Sicherheit reklamiert und vor allem die versprochenen und nicht eingehaltenen Eigenschaften des Sclosses aufgezeigt. Darunter vor allem die Eigenschaften – säge resistent u. schnitt resistent- die den Kickstarter Investoren zugesagt wurden. Ich erhielt weder eine Nachricht von Tex Lock noch eine Empfangsbestätigung des Schlosses. Es wurde aber auch nicht zurück gesandt. Nach Ablauf der von mir gestellten Frist zur Rückzahlung der 130 EUR plus Versandkosten und keiner Reaktion durch Tex Lock versendete ich nochmals eine Mahnung mit 5 Tagesfrist. Nach Ablauf dieser letzten Frist würde ich den Rechtsweg bestreiten, teilte ich Tex Lock mit. Wieder keine Antwort auf mein Einschreiben mit Einwurf und per E-Mail. Zwei Tage vor Ablauf der Mahnfrist erhielt ich von Tex Lock eine E-Mail mit Hinweis das der Betrag für das Schloss auf mein Konto überwiesen wird. Die Rücksendekosten wurden nicht erstattet. Das war mir dann auch egal, ich hatte das Schloss ja schon mal auf einer 6-tätigen Fahrradtour benutzt. Wer Interesse an dem Schreiben hat kann mir eine E-Mail senden. Tex Lock ist anscheinend bewusst, das sie vor Gericht ganz schlechte Karten haben, wegen den zugesicherten und nicht eingehaltenen Eigenschaften des Schlosses.

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  4. Sputnik sagte:

    Danke für diesen Eintrag, dem ist fast nichts hinzuzufügen. Auch ich finde es bodenlos sich jetzt noch als Opfer darzustellen.
    Eines noch: Der hohe Preis hat sicherlich dazu beigetragen, dass viele in dem Glauben das Schloss sei sicher, bestärtkt wurden. Von einem 20,00 Euro Schloss werden die wenigsten annehmen das es sicher sei (auch wenn es so beworben wird), bei einem 130,00 Euro teurem Schloss bin ich schon eher geneigt dem Werbeversprechne zu glauben. Was die Sache für die Käufer natürlich nicht besser macht.

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  5. Marius sagte:

    Der Hinweis von Texlock, dass auch Bügel- und Kettenschlösser mittels Bolzenschneider schnell knackbar sind ist pure Ablenkung, denn:

    1) Ein großer Bolzenschneider ist schwer und nicht einfach zu verbergen.
    2) Ein großer Bolzenschneider ist recht teuer
    4) Eine kleine Baumarktsäge ist unauffällig mit sich zu tragen. Jedes Kind kann sie erwerben. Sie ist klein, leicht und billig. Mit ihr braucht man für ein preislich vergleichbares Bügel- oder Kettenschloss mehr Zeit als für das Texlock.
    5) Ein Bolzenschneider funktioniert meistens nur, wenn man einen Arm auf dem Boden abstützt. Die kleine Metallsäge benötigt keine Abstützung und keine große Kraft.

    Die Nivellierung, alle Schlösser seien schnell knackbar, hinkt also gewaltig. Jeder hat das inzwischen verstanden, nur die TEXLOCKER widersetzten sich jeder logischen Argumentation.

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  6. Marius Müller sagte:

    Offensichtlich hat sich TEXLOCK längst von seinen Kunden verabschiedet. Von Kulanzregelung erst gar nicht zu reden!
    Ich habe z.B. mehrfach versucht auf der Texlock-Kontaktseite eine Mail an das Unternehmen zu schreiben. Es geht nicht.
    Jedesmal nach klick auf den ABSENDE-Button wird behauptet ich hätte das Anerkennen der Dateschutzerklärung nicht angekreuzt. Natürlich habe ich das; ich habe auch alle Pflichtfelder ausgefüllt.
    Wirklich unverschämt

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    • Anonymous sagte:

      Soweit ich es verstehe vergleicht sich texlock mit einer Stahlkette. Unter dem Link finden sich sowohl Produkte verschiedener Sicherheitsstufen. Alle sind beworben mit „robuste Sicherheit“.

      Ich verstehe das mancher sich unter Texlock mehr vorgestellt hat und nun enttäuscht ist, aber einen Unterschied zu anderen Schlössern & Werbebotschaften sehe ich nicht.

      Soviel Fairness muss bei all dem Verriss schon noch sein.

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      • Claude sagte:

        Sorry, das ist kein Verriss. Wer auf Kickstarter Geld einsammelt, indem er mit einem Sägeschutz wirbt, den dann aber nicht liefert, ist meckern vollkommen legitim.

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        • Christian sagte:

          ja meckern geht klar;)
          Der Verriss war auch eher auf die Gesamtheit der Reaktionen bezogen. Auch außerhalb des Blogs.

          Irgendwie setzt es halt keiner ins Verhältnis mit anderen – zugegeben mittelmäßigen – Schlösserrn

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          • Anonymous sagte:

            Den Preis muss man aber auch vergleichen, oder? Untere Mittelklasse von der Sicherheit, Oberklasse vom Preis, der mit hoher Sicherheit verargumentiert wurde.

  7. Bruno sagte:

    Dieses Produkt ist eine grosse Enttäuschung – bedaure das Tex-Lock über Kickstarter finanziert und gekauft zu haben.

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