Tex-lock? Wenigstens die Ösen sind sicher! Aber …

Tex-lock für CyclingClaude nicht sicher genug!

Eins vorweg. Ich möchte weder dem Start-up Texlock aus Leipzig schaden, noch behaupten, dass es absolut sichere Schlösser gibt …

aber

Texlock hat in eigenen Videos gezeigt, dass man mit einem Bolzenschneider ziemlich lange braucht, bis das tex-lock-Textilseil durchtrennt ist. Auch mit Feuer kann man dem Seil wohl nicht viel anhaben.

Den Ösen sind die Leipziger mit einer Metallsäge zu Leibe gerückt; mit wenig Erfolg.

Ich persönlich hätte getippt, dass die Ösen der Schwachpunkt des tex-lock-Schlosses sind. Den Ösen bin ich heute mit einem 60 cm langen Bolzenschneider an den Kragen gerückt. Die Ösen halten!

Was nützen aber die stärksten Ösen, wenn man das Seil mit einer Fünf-Euro-Metallsäge aus dem Baumarkt in kürzester Zeit zerschneiden kann?

Auf Youtube kursiert ein Video, indem das Seil in 8(!) Sekunden zersägt wird. Lt. Texlock werden in dem Film Laborbedingungen gezeigt.

CyclingClaude hat es heute in der Praxis getestet. Am Straßenschild! Das 80 cm lange tex-lock hat nicht nur den Rahmen, sondern auch das Hinterrad gesichert – genau wie man ein Rad in der Praxis anschließen würde.

Sicherlich wurden keine DIN-Bedingungen erfüllt. Aber, ehrlich gesagt, wer sich auf DIN-Tests verlässt …

Resultat: Erschreckend unsicher!

32 Sekunden habe ich im Praxistest mit der billigen Säge aus dem Baumarkt gebraucht. Mit Übung würde ich wohl auch 20 Sekunden schaffen. Das ist aber egal. Auch 32 Sekunden sind zu kurz. Bevor jemand reagieren kann, ist der Fahrraddieb samt Rad über alle Berge.

Übrigens: Die Säge ist so klein, dass den Passanten nicht aufgefallen ist, was wir tun. Als man uns später mit dem Bolzenschneider hantieren sah, wurden wir angesprochen. Der aufmerksame Briefträger wollte sogar die Polizei rufen, obwohl wir zu viert mit zwei Kameras um das Rad standen und erklärten, dass das Litespeed mein Eigentum ist.

Meine Frage an Tex-lock

Hand aufs Herz, liebe tex-lock-Entwickler. Ihr habt Videos gedreht mit Bolzenschneider und Seil sowie mit Metallsäge und Öse. Habt Ihr die Metallsäge nicht auch am Textilseil ausprobiert? Das kann ich fast nicht glauben. Insofern fühle ich mich als Kunde von der Marketingkommunikation hinters Licht geführt.

Auf Eure Antwort bin ich gespannt!

Mein Fazit

Schade, aber CyclingClaude kann das tex-lock-Schloss in derzeitiger Bauart NICHT empfehlen. Bei einem Schloss für knapp 110 EUR erwarte ich mehr Widerstandsfähigkeit und damit mehr Sicherheit!

6 Kommentare
  1. Illo Jütte sagte:

    Boah, was bin ich froh, dass der Fahrradhändler, den ich angerufen habe, mich vor dem Schloss gewarnt hat und mir empfohlen hat, erst einmal die Testberichte genau durchzulesen! Und so besonders leicht ist es auch nicht.
    Ich hab doch tatsächlich wegen des hohen Preises gedacht, das Schloss sei DER ultimative Tipp….Nee, da pack ich nicht dran…:(

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  2. steinmetz sagte:

    wir einige kolleginnen hatten vor eine größere menge von den schlösser zu kaufen.
    problematisch war die wartezeit von 3 – 5 wochen und dann noch vorkasse
    danke für den bericht

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  3. alex sagte:

    Ich habe die Entwicklerinnen zu Einkaufskonditionen für Händler sowie zur Sicherheit gegen geeignete Scheren gefragt. Auf letzteres sind sie in der Antwortmail nicht eingegangen. Den Textilingenieurinnen muß vorher klar gewesen sein, daß gegen Kabelscheren, mikroverzahnte Scheren und Brotmesser keine Sicherheit besteht. Deshalb auch das kleine Kettchen innen im Schloß. Das mit dem Bolzenschneider im Video sieht imposant aus, würde aber niemand, der schon öfter mal Bolzenschneider an verschiedenen Materialien ausprobiert hat versuchen. Versuch doch mal einen alten Schnürsenkel mit einem Bolzenschneider zu schneiden. Das wird nix. Ein Bolzenschneider schneidet Bolzen. Die sind einteilig, werden gequetscht und der Mittelteil durch die Keilwirkung der Klingen auseinandergerissen. Das kann kein Seil schneiden, egal ob Draht oder Textil. (So ein Geschenkbandschloß geht mit einer kleinen Zange deutlich besser zu schneiden. Mit den Bolzi kriegt man es nur beschädigt und muß dann noch etwas hin und her biegen damit alle Drähte brechen.) Den Test mit dem Brenner würde ich gerne mal an den Terminals sehen. Die dürften auch ihre Klemmkraft verlieren, wenn die durch den Brenner zerstörbaren Fasern weg sind.
    Die Aufbruchversuche bei Gallileo waren bewußt nur für’s Marketing. Die Konstrukteurinnen wußten ja auch aus der Herstellung wie man das Seil schnell schneidet. Das wird ja nicht für jedes Schloß einzeln produziert sondern ist Meterware.
    Ausserdem ist das Schloß eine Reihenschaltung bei der sich der Dieb den für ihn am leichtesten zu öffnenden Teil aussuchen kann. Mehr Sicherheit bringen verschiedene Schlösser nur, wenn man sie parallel verwendet.

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  4. Karlheinz Heiß sagte:

    Habe das fast neuwertige Schloss dem Händler auf die Theke gelegt und der weigert sich es zurück zu nehmen. Er will sich mit dem Hersteller in Verbindung setzen (zwecks Rücknahme). Meines Erachtens wird hier ein Verprechen nicht eingehalten und somit ist der Vertrag nicht zustande gekommen. Bin gespannt, wie sich das alles weiter entwickelt. Ich jedenfalls, werde mein teures E-Bike nicht damit befestigen und in Ruhe ein Bier trinken gehen. Es ist eigentlich unvorstellbar, das lange keiner mit Baumarktsäge zu Werke ging.

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  5. MM sagte:

    Auch von mir vielen Dank für den Bericht! Abgesehen von der desaströsen Handsägeresistenz hat mich das Schloss auch in anderer Hinsicht nicht überzeugt. Weder Handling noch Aussehen des Schlosses kamen mir sonderlich „hip“ vor. Das Schloss wird als leicht beworben, ist es aber nicht. Es wiegt in der Größe S ca. 1200 Gramm und sieht aus wie eine gerollte, dicke Wurst. Mich hat es nicht angesprochen.

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  6. sabi sagte:

    Danke für den Bericht und Test des TexLock Schlosses!
    Das Thema bez. dessen Aufbruchsicherheit wird ja auch in verschiedenen Radforen heftig diskutiert. Endlich ist klar, dass das Schloss ausser vielleicht einem hippen Aussehen zu nichts taugt.
    Schade für das gut klingende Projekt, leider wird der Käufer aber doch getäuscht.
    Eine Stellungnahme der Gründerinnen liegt leider nicht vor.

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