Everve Me Bib – die Wohlfühl-Hose

Update

Die TOUR ist der gleichen Meinung wie CyclingClaude :-).

Everve Me Bib – die beste Radhose der Welt?

„Wenn du eine Radhose willst, die wie für Dich gemacht ist, dann ist es die everve me. Erlebe ein neues Fahrgefühl!“, kann man auf der Homepage von Everve lesen.

Das junge, auf der Schwäbischen Alb beheimatete Unternehmen, das auch dort produziert, lehnt sich weit aus dem Fenster,  mit dem was sie versprechen. Die me habe das Zeug zur besten Radhose der Welt, individualisiert für meine Bedürfnisse auf dem Rad, erklärte mir Guido als er mich für einen Produkttest gewinnen wollte.

Ich war skeptisch, wollte aber mehr wissen. Die me Bib, so Guido, habe ein spezielles Klimamanagement. Durch zwei Lagen im Sitzbereich würde ein ganz neues Tragegefühl realisiert. Patentieren habe man sich das lassen, genau wie den Clou der Hose, die austauschbaren Polsternkerne aus PUR-Elastomer. Die könne man über einen Polster-Konfigurator im Online-Shop von Everve individuell konfigurieren, in Abhängigkeit von Körpergewicht, Radtyp, Sattelmodell und Sitzposition.

Das klang interessant genug, um die everve me gegen mein „Referenzmodell“, die Assos Cento S7 antreten zu lassen.

Everve me Online-Konfiguration

Auch wenn mir die Hose von everve zum Test kostenlos zur Verfügung gestellt wurde – vielen Dank dafür – musste ich sie für mich konfigurieren.

„High“ oder „Low“

… war die erste Entscheidung, die ich treffen musste. Die everve me gibt es nämlich mit zwei verschiedenen Höhen im Bauchbereich.

Ich entschied mich für die Low-Variante, weil ich sowieso nicht verstehe, warum Radhosen vorne bis über den Bauchnabel gehen müssen. Die Modelle von Assos waren da schon immer angenehm anders. Auch die Assos Cento S7 ist recht tief geschnitten. Gerade als Marathonfahrer empfinde ich es angenehm, wenn man bei der „Pause Pipi“ vorne schnell ran kommt.

Anscheinend haben andere Radfahrer aber andere Präferenzen. Everve würde sicherlich keine Hose in „High“ anbieten, wenn es dafür keinen Markt gäbe.

Falls der geneigte Leser aus guten Gründen „High“ vorziehen würde, wäre ich für eine Erklärung in den Kommentaren dankbar. Ich sehe bei „High“ keine Vorteile.

Polsterbestimmung

Ich fahre vornehmlich Rennrad und Gravel-Bike, in sportlicher Sitzposition, wiege mit Bekleidung +/- 75 kg und fahre den Fizik Antares Sattel auf meinen Rädern.

e7 spuckte der Polster-Konfigurator als Ergebnis aus, nebst dem Versprechen, mein Polster einmalig kostenlos auszutauschen, solle ich mit e7 nicht zurecht kommen.

 

Größe

Bei Assos und Bioracer, die beide angeben sportliche Schnitte zu haben, passt mir M. Größe L würde aber ebenfalls gehen.
Hingegen ist die Edelstoff-Kollektion von Lightweight, die mich gerade sehr begeistert (Erfahrungsbericht folgt), äußerst sportlich geschnitten. Edelstoff passt mir lediglich in L.

Ähnlich ist es bei der everve me. Optimistisch hatte ich bei Guido eine M bestellt. L wäre die richtige Wahl gewesen. Der Umtausch lief aber problemlos.

Als Größen werden übrigens S-XXL angeboten. Ich bin also mittendrin.

Preis

Die everve me, egal ob als „low“ oder „high“, kostet im everve Online-Shop (und nur da ist sie zu haben) 190 EUR plus 5 EUR Versand, die man bspw. mit Paypal bezahlen kann.

Meine Erfahrungen mit der everve me Bib

Die Hose ist vom Stoff her für die wärmeren Monate zwischen Frühjahr und Herbst gemacht und kann in Kombination mit Knielingen gefahren werden, wenn es mal etwas kühler ist.

Optisch kann es die everve me mit den Spitzenprodukten von Assos aufnehmen.

Von der Haptik ist sie besser. Hat man die leichte everve me zum ersten Mal in der Hand, (er)fühlt man sofort, dass es sich um ein Qualitätsprodukt handelt. Die unterschiedlichen Stoffe der Hose schmeicheln nicht nur in der Hand. So viel vorweg. Selbst nach mehreren Waschgängen hat sich daran nichts geändert.

 

Positiv fiel mir auf, dass die Träger der Bib auf der Vorderseite weit außen verlaufen. So kann nichts an den Brustwarzen scheuern oder drücken. Assos-Hosen haben seit Jahren solche Träger, viele andere Hersteller leider nicht.

Die Rückenpartie besteht aus atmungsaktivem Mesh-Material und ist weit hoch gezogen.

In der Abbildung sieht man schön, wie weit der vordere Bereich der „Low“ heruntergezogen ist. Kennt man nur „normal“ geschnittene Hosen, wird man das zunächst als anders, schnell aber als angenehm empfinden. Da bin ich ganz sicher.

Als Beinabschluss sind 46 mm breite Bündchen vernäht, die innen punktuell mit Silikon beschichtet sind. Zusammen mit dem anatomisch angepassten Mehrbahnenschnitt, sorgt das für optimalen Sitz der Hose.

Bemerkenswert ist darüber hinaus die zweilagige Stoffverarbeitung im Sitzbereich. Die innere Lage sitzt eng auf der Haut und verrutscht nicht. Die äußere Schicht kann frei arbeiten. Reibung, wenn überhaupt, entsteht zwischen den beiden Schichten, nicht aber zwischen Hose und Haut. Ich bin die Hose nun auch mehrfach auf dem Smarttrainer gefahren. Selbst wenn sie total durchschwitzt ist, reibt nichts. Das finde ich extrem angenehm!

Kommen wir zum Sitzpolster, bzw. den austauschbaren Polsterkernen. e7 ist relativ dünn. Dünner ist besser. Das wissen v.a. Langstreckenfahrer. Wobei es auch hier Ausnahmen gibt (Guilty76-Hose von Bioracer).

e7  ist dünner als das Polster meiner Assos Cento S7. Fest eingesteckt zwischen den Schichten der Hose, links und rechts, verrutschen die Polsterstücke nicht. Bei meinen Assos-Hosen (nicht nur bei der Cento S7) wandert das „schwimmend vernähte“ Polster immer ein wenig, sodass ich es manchmal zurecht rücken muss.

So ein „Wandern“ ist mir bei der everve me bisher nicht aufgefallen, weder auf der Straße, noch auf der Rolle. Für meinen Hintern scheint die Hose wie geschaffen. Ob man das verallgemeinern kann, weiß ich nicht. Viele dürften mit der me mehr als zufrieden sein.

Farbe und Reflexion

Die everve me gibt es zur Zeit nur in schwarz und passt so zu den allermeisten Trikotfarben. Farblicher Akzent sind die blau-grünen Träger sowie je ein blau-grüner Punkt auf dem rechten Oberschenkel und der Rückseite. Dort an Oberschenkel und Rückseite befindet sich auch das Reflexionsmaterial. e e e – drei e wie everve. Die e sind dezent dunkel gehalten, reflektieren aber stark, sobald man sie anleuchtet (siehe unten).

Fazit

Ob die everve me  die beste Radhose der Welt ist, kann ich nicht sagen.  Aber sie ist eine sehr hochwertige Bib, die bombig sitzt und der Haut schmeichelt. Eine Wohlfühlhose! Das dünne Wechselpolster ist optimal für mich.  Sie spielt in der Championsleague, ist preislich wettbewerbsfähig und dürfte nicht nur für Langstreckenfahrer eine gute Wahl sein. Außerdem ist sie komplett Made in Deutschland. Assos-Kenner sollten ruhig mal fremd gehen. Vielleicht findet sich eine neue Liebe?

 

Everve Me in der Tour 10/2017

Übrigens hat auch die TOUR getestet und war von der Hose durchaus begeistert.



2 Kommentare
  1. torstenfrank sagte:

    Mehr Bekleidungsmarken mit innovativen Ideen sind mir immer gerne willkommen. Schön, das Everve jetzt auf „Bekanntmach-Tour“ durch die Rennrad-Blogs unterwegs ist. Sie dürfen mir gerne auch eine zum Testen senden (Zaunpfahl und so ;-)).

    Das vorausgeschickt:
    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob es wirklich das Polster ist, dass wirklich sehr fein zu konfigurieren gilt. Bzw. das es dann lediglich (?) in der Dicke bzw. Kompression anzupassen gelte.

    Die meisten Probleme, die ich mit Hosen habe und die mich dazu veranlassen, diese nicht zu kaufen bzw. zurück zu senden, liegen im Schnitt und im Stoff und in weiteren Details begründet. Wahl der Nahtführungen (kneift es, gehen Flexibilität oder Mangel dessen der Nähte gut mit dem restlichen Stoff zusammen), Muskelkompression durch den Stoff bzw. die Hose insgesamt, Wahl der Bündchen bzw. Gripper (da gibt es gute und weniger gute Konzepte und dann ziemliche NoGos: vollgummierte Bündchen… brrrr). Und über allem und von mir schon des öfteren angemerkt: Wählbare Beinlängen. Ach, was wäre ich froh, wenn die üblichen Markenanbieter Hosen in drei verschiedenen Längen anbieten würden.

    Zurück zum Polster: da würden mir zwei Polster (dünn und sportlich und sehr ausdauerorientiert) wohl so ziemlich reichen. Solange sie gut sind. Aber was ist jetzt gut? Vielleicht hat everve ja die Lösung gefunden… Bleibt die ketzerische Frage zu stellen: Welche Position gebe ich an, wenn meine typischen Strecken sowohl ausgedehnte Bergaufpassagen (aufrecht), flache Strecken (in den Drops oder sogar Aufliegern) und dann auch noch normales Fahren in den Hoods beinhalten. Zu gleichen Teilen. :)

    Zu den Decals… Och Leute, alles was nicht gestickt o.ä. ist, ist doch geplante Obsoleszens. Diese Transfers sind doch das erste, was nach ein paar Wäschen in Mitleidenschaft gezogen wird… Und so ein (hüstel) fetter Punkt auf der Seite… harmonisiert nun auch nicht wirklich mit vielem. (Ach ja, nach so einer Kritik senden sie mir sowieso keine Hose. Aber wenn es ein bisschen auf fruchtbaren Boden fiele, würde ich mich schon freuen.)

    Zu guter Letzt und zu deiner Frage: hoher Abschluss im Bauchbereich könnte für Leute gedacht sein, die vielleicht etwas beleibter sind und die ihren Bauch etwas gestützt und nicht halb in und halb über den Bund hängen wissen wollen. Ich persönlich würde einen hohen Abschluss im Bauchbereich für eine Übergangsjahreszeit- und eine Winterhose vorziehen. Hier ist es sogar so: die Abschlüsse der aktuellen Assos-Modelle sind mir viel zu niedrig. Geht für den Sommer vielleicht gerade noch (aber auch hier ist vorsicht geboten – racefit Jerseys sind Kurz – wenn du dich doch mal aufrecht hinstellst, taucht hier schnell eine Lücke auf. Doof.), für den Winter (und Assos bietet ja extra eine Winter-Bibshorts an) ist es aber kontraproduktiv und ein Designfehler.

    viele Grüße,
    Torsten

    Antworten
    • Claude sagte:

      Hallo Torsten,

      Stoffqualität und Schnitt ist bei der Hose wirklich gut. Die Größe L sitzt bei mir angenehm eng. Nichts rutschst. Durch die doppelte Stofflage im Sitzbereich ergibt sich ein angenehmes Tragegefühl.

      Sicherlich gibt es kein Polster, das für alle Sitzpositionen gleich gut ist. Ein Zeitfahrer, Triathlet oder sehr sportlicher Rennradfahrer würde wohl die Option „Race“ wählen. Sport dürfte für die meisten Fahrer gut sein und Komfort, nun ja, wenn man nur aufrecht sitzt …
      Letztendlich bieten die drei unterschiedlichen Optionen, gepaart mit unterschiedlichen Polsterdicken, eine wesentlich bessere Chance auf Vernünftiges Sitzen, als wenn es bei Hosen nur eine Polsteroption gibt. Oder?

      Die Beinlänge, mit der hatte ich in den letzten 10 Jahren nur bei einer Hose Probleme. Sie war zu kurz. Etwas zu lang, sodass es am Bund nicht komplett anliegt, hatte ich nur einmal, als man mir eine Teamhose gab, die ein etwas längeres Bein hatte. Die war halt übrig und sonst wollte sie niemand haben. Aber vielleicht ist das eine Idee, die eine innovative Firma aufnehmen kann. Normale länge, und ggf. zwei Zentimeter länger. Kürzer braucht kaum wer, oder?

      Die Reflexelemente sind aufgebracht, nicht gestickt. Bisher, nach einigen, nicht gezählten Waschgängen, kann ich noch keinen Unterschied feststellen. Die Fotos sind von gestern.

      Interessant, Deine Aussage zum Bauchabschluss. Gerade im Winter hasse ich Hosen mit hohem Bauchabschluss. Muss man vor dem Pinkeln sein Ding unter Jacke, Trikot, Unterhemd und Hose hervor kramen, ist das echt lästig. Der Bauch bleibt im Winter doch auch warm, wenn man die Jacke drüber hat.

      Aber jeder Mensch ist anders und was für den einen gut ist, mag dem anderen nicht passen. Ich bin Langbeiner mit kurzem Oberkörper und werde deshalb nicht in die Verlegenheit kommen, dass der Bauchnabel wegen des tiefen Bauchabschlusses raus schaut, nur weil das Trikot zu kurz ist. Trikots sind mir in der Regel oft etwas zu lang … oder zu eng, wenn ich sie wegen der Länge eine Nummer kleiner kaufe.

      Übrigens sind mir als Langbeiner die Hosenbeine, wie oben gesagt, in der Regel nicht zu kurz.

      Beste Grüße
      Claude

      Antworten

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