Cyclassics 2016 – sehr schnell – mit Pech

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Hamburg Cyclassics 2016

Hallo Racer,

wir schreiben Samstag Abend den 20.08.2016 23 Uhr. Morgen ist es mal wieder so weit. Die 23. Hamburger Cyclassics starten, dieses Jahr unter der Leitung des neues Hauptsponsors Euroeyes.

Und ich – Matthias – werde zum ersten Mal mitfahren. Bisher liegt ein relativ ereignisreicher Tag hinter mir.

Nach dem üblichen Vorbereitungsprozedre, mit Taschen packen, mehrfacher Kontrolle ob man auch ja nichts vergessen hat. Um dann doch nach vier Kilometern und schon beinahe am Bremer Hauptbahnhof angekommen festzustellen, dass die wichtige Radbrille nicht ihren Weg ins Renngepäck fand.

Also umgedreht, meinen Hamburger Gastgeber Christian informiert und einen Zug später genommen. Wie jede Medaille hatte auch diese zwei Seiten. Später in Hamburg angekommen, aber noch Zeit meinen Koffeinspiegel in der lokalen Dependance einer weltweit operierenden Kaffeehauskette auf ein weniger den Gemütszustand negativ beeinflussendes Niveau zu heben.

Die Zahl hochwertiger Sporträder im Zugabteil des Metronom war neben der vielen Radtrikots und mehr oder weniger sauber rasierten Beinen ein untrügliches Zeichen im richtigen Zug zu sitzen und Signal an die mitfahrenden “Normalos” und Radreisenden, dass im nördlicheren der beiden Stadtstaaten irgendwas im Busch ist.

Nach einer durch nette Gespräche recht flott vorüberziehenden Zugfahrt traf ich schließlich mit Verspätung (Züge können bekanntlich nicht pünktlich fahren ;)) in der Stadt des Doms und des größten deutschen Hafens ein.

Rund um den Bahnhof war es schon sehr voll, ein bisschen (Radsport)Volksfeststimmung und vor allem in der Mönckebergstraße war sehr viel los. Einige Buden, die Straße abgesperrt und das RadRace ein 300m Sprintrennen die Hamburger Hautpeinkaufsstraße hinauf war im vollen Gange.

Interessant, aber ich wollte ja meine Startunterlagen abholen. Selbiges lief auch wie am Schnürchen und kurz danach traf ich meine beiden Gastgeber und Mitracer Christian und Ricarda und wir ließen uns es mit lecker Pasta gut gehen.

Während des Essens untersuchte ich dann noch den Inhalt des Startbeutels und wurde sehr positiv überrascht. Eigentlich hatte ich mit einem Startplatz im C Block gerechnet, wurde dann aber wohl aufgrund meines Ergebnisses in Berlin in A-eingeteilt. Mit dem guten Essen war ich so bester Laune und voller Spannung und Vorfreude auf den kommenden Tag.

Hinterher schlenderten wir noch etwas über die Fahrradmesse vorm Hamburger Radhaus und an der Außenalster, wo ich kurz nacheinander ein paar Fahrer vom #TeamAlpecin Jedermannteam und meinen Kollegen Sven traf, der fürs Team Skoda starten durfte.

Messe am Tag vor dem Rennen.

Messe am Tag vor dem Rennen.

Außerdem gab es wie in Berlin eine Wattbike Challenge, bei der man für das möglichst lagen Halten von 450 W Leistung ein SRM Powercontrol 8 gewinnen konnte. Da musste ich natürlich mitmachen. Der Sieger hatte allerdings schon eine beeindruckende Zeit von 8 Minuten vorgelegt. Ich wusste, dass das außerhalb dessen lag, was ich selbst schaffe.

Aber ans Werk und losgetreten. Obwohl ich frisch und ausgeruht war, schaffte ich aber nur 1:45 min. Nicht wegen der Beine, sondern weil in Anbetracht des Rennens am nächsten Tag und meines guten Startplatzes der Kopf zu machte. Da wäre sicher noch die eine oder andere Minute mehr gegangen.

Der Renntag

Die schon bekannte “Endlich ist wieder Renntag” Anspannung ließ mich (mal wieder) trotz einer sehr bequemen Couch keinen richtigen Nachtschlaf finden so war ich schon nach kurz vor meinem Wecker morgens um 5 wach.

Nach einem gemeinsamen Frühstück und einigen leckeren Espressi aus Chris’ super Gastroback Maschine (danke, jetzt hab ich wieder was zum Geld ausgeben! *grins) rollten wir drei gemeinsam über die noch leeren Hamburger Straßen Richtung Innenstadt.

Die Ruhe vor dem Sturm am Renntag

Die Ruhe vor dem Sturm am Renntag

Ricarda und Chris sortierten sich dann in ihre Startblöcke ein und ich machte mich mangels Ortskenntnis durchfragend auf zum Start in der malerischen, historischen Speicherstadt. Als einer der Ersten konnte ich mich bei kalten Temperaturen, aber strahlendem Sonnenschein, gleich in die erste Reihe des A-Blocks stellen und vertrieb mir den Rest der Zeit mit etwas Smalltalk mit meinen Mitfahrern.

Startblock A in der historisch, malerischen Speicherstadt.

Startblock A in der historisch, malerischen Speicherstadt.

Vom Start weg Vollgas

Pünktlich um 8:10 Uhr wurde das Rennen mit dann mit einem Startschuss freigegeben. Chris’ Tipp vom Vorabend beherzigend versuchte ich sofort direkt vorn in der ca. achten Reihe hinter den Führenden zu bleiben, um den Zieharmonikaeffekt zu minimieren und aus den Kurven genug Geschwindigkeit beizubehalten.

Das Tempo war vom Start weg enorm hoch, mein Wattmesser zeigte meistens zwischen 230w und oftmals eher über 300w an. Jeder versuchte natürlich sich für die kommenden 150 km gut zu positionieren. So führten die ersten Kilometer erst einmal durch den innenstadtseitigen Teil des Hamburger Hafens.

Breite Straßen, wenig scharfe Abzweigungen, viel Platz zum Überholen. Glücklicherweise gelang es mir dann doch meistens meine Taktik und Linie zu fahren. Nach ca. 10 Kilometern lag dann mit der Köhlbrandbrücke das erste richtig dicke, schwere Stück vor uns.

Während der ersten Kilometer hatte ich mich schon immer etwas in der Nähe vom TeamAlpecin und Ex-Telekom Fahrer Kapitän Jörg Ludewig gehalten und wegen seiner immens großen Erfahrung immer etwas darauf geachtet, was er macht. Man wird halt nur besser, wenn man von den richtig Guten lernt.

Als er dann kurz vor der Köhlbrandbrücke attackierte, entschied ich mich mitzugehen. Im Nachhinein eine sehr gute Entscheidung, weil wir so zu 6-8 Mann direkt hinter dem Führungsfahrzeug die Köhlbrandbrücke hinter uns ließen und den Stau im Feld vermeiden konnten. Der Puls war dabei fast am Anschlag. Der Wattmesser zeigt über 450w an und die Beine brannten. Harte Nummer, aber der Einsatz hat sich dann ja bezahlt gemacht.

Zwischenzeitlich dachte ich immer wieder, dass ich mal etwas raus nehmen muss, weil Leistungen um die 300w für mich nichts auf Dauer sind. So ließ ich mich etwas zurückfallen und versuchte auch meinen Puls etwas herunterzufahren, was leider mehr schlecht als recht gelang.

Nach ca. 25 Kilometern stellte ich dann fest, dass ich die Aufzeichnung meines Garmin nicht gestartet hatte. Naja, ärgerlich, aber selbst schuld.

Das Tempo blieb weiter sehr hoch. Selbst die vielen Steigungen in den Harburger Bergen wurden mit oftmals an die 40 gefahren und auf flachen Stücken lag das Tempo meistens bei bis über 50, teilweise sogar über 60 km/h. Ein Topspeed von 70,6 km/h trotz der weitestgehend nur welligen bis flachen Strecke sagt wohl alles über das Tempo des Felds.

Brenzlige Situation

In Buchholz gab es dann noch eine für mich brenzlige Situation. Ich fuhr ganz rechts am Rand wollte ein paar Fahrer überholen. Die Straße schien dafür auch geeignet. Nur legt man bei dem Tempo halt einiges an Strecke zurück und so verengte sich diese plötzlich wieder und ich sah mich ohne Lücke links neben mir in der Entscheidungsnotlage, entweder bei über 50 gegen den Bordstein zu fahren oder auf den Gehweg auszuweichen. Und das alles im Bruchteil einer Sekunde.

Das Gehwegstück selbst war auch nicht sonderlich lang, so dass ich durch Handzeichen versuchte die anderen Fahrer darauf aufmerksam zu machen, evtl. eine Lücke zu lassen, damit ich wieder ins Feld fahren konnte. Hat auch geklappt, aber hinterher war einer meiner Mitfahrer ziemlich stinkig. Vermutlich hatte er den Eindruck, ich wäre absichtlich auf den Gehweg gefahren, um Plätze gut zu machen. 100 km vor dem Ziel natürlich eine sehr intelligente Idee.

Im Nachgang war das Ganze eine absolut unschöne Aktion, zu der es wohl aus einer Mischung aus Fehleinschätzung der Strecke meinerseits und fehlender Kommunikation (Handzeichen/rufen) im Feld andererseits kam. Wobei ich meinen Teil da deutlich mehr gewichte. Aber solche Erfahrungen muss man wohl leider auch mal machen. Und aus Fehlern wird man klug. Zum Glück ist dabei nichts passiert und ich kann mich nur bei dem mir unbekannten Fahrer entschuldigen!

Kurz danach lief die Strecke durch einen Kreisel auf ein sehr langes, gerades Stück, wo ich die verlorene Position durch einen beherzten Sprint fast wieder wett machen konnte.

Leider konnte ich aber nicht mehr so weit wie ich wollte nach vorne fahren, weil ich erstens merkte, dass ich sonst irgendwann platze und zweitens durch die vielen Kurven und das hohe Tempo sich nicht genug Möglichkeiten zum Überholen boten.

So sortierte ich mich im Feld ein und versuchte meine Position zu halten., was auch ganz gut gelang.

Positiv muss ich an dieser Stelle anmerken, dass sich die teilweise das Feld überholenden Begleitmotorräder im Gegensatz zu Berlin sehr gut verhielten. Dort kam es nämlich zu 1-2 hässlichen Gegebenheiten, wo Polizeimotorräder viel zu schnell und ohne Vorwarnung am Feld vorbei rasten.

Bis die Schleife zurück nach Hamburg führte, verlief das Rennen weiter sehr schnell, aber ereignislos.

In Harburg war ich dann leider am Ende des ersten Feldes angelangt, was aber auch ganz gut war, so konnte ich mich ausruhen und nach den ganzen Gels endlich einen Riegel essen.

Crash

Am Harburger Güterbahnhof entlang führte uns die Strecke erst über eine Brücke, die direkt auf eine sehr lange, schnurgerade, vierspurige Straße überging. Direkt danach waren Absperrhütchen aufgestellt, bei denen ich dachte, sie wären dort nur wegen der dort auftauchenden Verkehrsinsel. Nachdem ich diese umfahren hatte, wollten ich und ein Fahrer vor mir auf die andere Fahrspur ausweichen und überholen. Aber es tauchten wieder Hütchen auf. Er konnte noch ausweichen, aber ich fuhr mit über 50 dagegen und stürzte ziemlich übel.

Dabei riss mein Schaltwerk ab, ich zog mir ein paar “nett” anzusehende Schürfwunden zu und meine Klamotten konnte ich auch in die Tonne schmeißen.

Ein bisschen Tapete bleibt in Hamburg.

Ein bisschen Tapete bleibt in Hamburg.

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Zum Glück blieb ich von weiteren Verletzungen verschont, durfte danach aber gut 2,5h auf den Besenwagen warten. Schade, bis dahin lief es die 90 km mit einem Schnitt von um die 42 sehr gut für das Feld und mich.

In der Wartezeit konnte ich noch einige andere Beinahestürze und Unfälle wegen der Hütchen beobachten. Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, an so einer Stelle für einige Kilometer einen Absperrzaun aufzustellen. Klar, eine Zeit und Kostenfrage, aber in Punkto Sicherheit ein riesen Pluspunkt.

Das Warten hatte aber auch ein Gutes. So konnte ich den Tross und das Feld der Profis im vorbeifahren filmen.

Der Besenwagen kutschierte alle Gestürzten und Abgehängten direkt in die Hamburger Innenstadt, wo ich mich bald wieder mit Chris und Ricarda traf. Bei Ihnen lief es “drei Mal auf Holz geklopft” viel besser als bei mir und sie kamen flott und sturzfrei insZiel.

Mein abschließendes Fazit zu den Cyclassics

Die Strecke war sehr schön und meistens ordentliche ausgeschildert. An der Stelle meines Sturzes hätte ich aber 1. einen Zaun zur Abtrennung der Gegenfahrbahn und 2. Schilder mit dem Hinweis auf die nicht für den Autoverkehr gesperrte Spur aufgestellt.

Neben meinen eigenen beiden Fehlern fiel mir auf, dass, je weiter hinten ich im Feld fuhr, immer weniger Warnrufe und Handzeichen/Hinweise auf Gefahrenstellen gegeben wurden. Gerade wenn man eine “Wand” anderer Fahrer vor sich hat, sollte darauf doch besonders geachtet werden.

Das habe ich bei anderen Veranstaltungen schon besser erlebt.

Ansonsten sehe ich die Cyclassics als eine sehr gut organisierte Veranstaltung, mit interessantem Rahmenprogramm (Radmesse), bei der ich gerne nächstes Jahr wieder starte.

 Zu guter Letzt  möchte ich mich an dieser Stelle nochmal bei den zahlreichen, besorgten NachfragerInnen aus meinem Bekanntenkreis bedanken, die sich sofort nach Hochladen der abgeschnittenen Strava Aufzeichung besorgt meldeten.

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