Runter vom Gas

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Seit 17.12.2013, also seit über 2,5 Jahren, ist Alexander Dobrindt unser Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Dobrindt ist damit Nachfolger von ‘Kampfradler-Ramsauer’, der mit seinen Aussagen die tägliche Hatz auf die radelnde Bevölkerung hoffähig gemacht hat.

2,5 Jahre, also weit mehr als der hälfte der Legislaturperiode, hat es nun gedauert, bis Herr Dobrindt einen Anlauf unternahm, den ‘Kampfradler’ aus dem Köpfen der deutschen Autofahrern zu bekommen und zum vernünftigen Nebeneinander aufzurufen.

In Zusammenarbeit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat, ADFC, BDR und Langenscheidt gibt Dobrindts Ministerium einen Sprachführer heraus:

Sprechen Sie Auto? Verstehen Sie Fahrrad?

Ein Sprachführer, der zwischen Autofahrern und Radfahrern vermitteln soll.

Der Sprachführer ist nett gemacht und kostenlos zu haben: Download.

Kritik sei dennoch angebracht

  1. Leider, leider, leider befürchte ich, dass der Sprachführer v.a. von interessierte Radfahrern runter geladen und gelesen wird.
    Den gemeinen Autofahrer wird es einen Scheiß (bitte entschuldigen Sie das Wort, Herr Dobrindt) interessieren, was darin steht.
     

    Aufklärungsarbeit sieht anders aus.

    Wie wäre es bspw. mit einer Neuauflage des 7. Sinn? In kleinen Filmchen könnte man dem Möchtegern-Besserwisser-Durchschnittsautofahrer transparent vor Augen führen, was nett im Sprachführer verpackt ist.

    Wie wäre es außerdem mit verpflichtender Lektüre der Broschüre im Rahmen der Fahrausbildung? Vielleicht sogar noch mit ein zwei Fragen bei der schriftlichen Prüfung? In anderen Ländern ist das Standard.

  2. Außerdem ist den Herausgebern, lieber Herr Dobrindt, auf Seite 19 ein kleiner Fehler unterlaufen.
    Ich habe zwar umgehend an die im Sprachführer angegebenen Kontakt-Email-Adresse geschrieben, leider ohne Rückmeldung. Lieber, Herr Dobrindt, deshalb hier noch einmal der Hinweis:

    Nein, nicht jedes Rad muss mit vorschriftsmäßiger Beleuchtung ausgestattet sein. Bei Rennrädern (unter 11 kg) müssen nach StVZO Scheinwerfer und die vorgeschriebene Schlussleuchte nicht fest am Fahrrad angebracht zu sein, sondern müssen nur mitgeführt werden.

    Diese wichtige Aussage fehlt hier leider. Außerdem wird bei der Illustration unglücklicherweise gleich noch ein Rennradfahrer abgebildet

    Schade, dass so etwas beim Lektorat durchrutscht.

    Der gemeine Besserwisser-Autofahrer wird uns diese Seite 19 bei jeder Diskussion auftischen, obwohl es so einfach wäre, in der StVZO nachzulesen.

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Was aber viel wichtiger ist …

Aus der Pressemitteilung habe ich gelernt, dass laut einer TNS-Emnid-Umfrage im Auftrag von BMVI und DVR 61 Prozent der Radfahrer und 56 Prozent der Autofahrer, häufig Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Verkehrsparteien wahrnehmen.

Wie die „Runter vom Gas“-Befragung zeigt, ist Angst für die Mehrheit der deutschen Radfahrer ein ständiger Begleiter. Der Hauptgrund dafür sind Autos. Laut Befragung fühlen sich 62 Prozent der Radler von Autos bedroht.

Laut Umfrage bezeichnet mehr als die Hälfte der Radler (72 Prozent) aggressives Verhalten am Steuer und mangelnden Sicherheitsabstand beim Vorbeifahren (69 Prozent) als Hauptgefahrenquellen, gefolgt von Unachtsamkeit beim Öffnen der Autotür (69 Prozent) sowie Fehlern der Fahrer beim Abbiegen (58 Prozent).

Das bestätigt, was ich täglich auf deutschen Straßen erlebe. In Schweden, wo ich gerade wieder eine Woche Rad gefahren bin, oder in Spanien ist das bei Weitem nicht der Fall.

Als größten Störfaktor im Straßenverkehr bezeichnen 81 Prozent der Radfahrer unvorsichtige und rücksichtslose Autofahrer. Weit mehr als jeder zweite Radler (74 Prozent) ärgert sich zudem über parkende Autos auf Fahrradwegen.

… der Autofahrer ist der Raudi

Nicht der Fahrradfahrer ist der Verkehrsraudi, wie es uns Kampfradler-Ramsauer glauben machen wollte.

Bemerkenswert ist, dass Rad- und Autofahrer anscheinend ähnliche Ansichten haben, wenn es um Ärgernisse im Straßenverkehr geht.

Auch Autofahrer sind sich nicht immer grün: Sie ärgern sich – sogar noch mehr als Radfahrer – über die Verkehrsteilnehmer aus den eigenen Reihen. Für 88 Prozent der Fahrzeughalter gehören rücksichtslose, unvorsichtige Autofahrer zum Hauptärgernis. Vier von fünf Pkw-Fahrern (80 Prozent) empfinden zudem Autofahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln halten, als störend.

Erst an dritter Stelle (für 72 Prozent) kommen Radfahrer ins Spiel – genauer: wenn sie nebeneinander fahren und die Straße blockieren oder rote Ampeln überfahren.

runter vom gas

A propos, hier noch einmal meine Aufklärungsarbeit :-)

So nicht

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