Halvvättern 2012

2012 war ich bis in die Haarspitzen fit und fuhr fünf Tage vor der Vätternrundan den Halvvättern – 150 km auf einer Strecke östlich des Sees.

Bis neun Uhr morgens  regnete es und meine Motivation war ziemlich im Keller. Da ich den Gasgrill-/kocher im Zelt nicht anzünden wollte, verzichtete ich auf Kaffee und genehmigte mir stattdessen eine Flasche Hi5 Xtreme und mehrere Nutella- und Honigbrote.

Da meine Startzeit 10:54 war, zog ich kurz vor zehn meine Radsachen an: warme Dreiviertelhose, Unterhemd, kurzes Windstoppertrikot, dünne Windstopperjacke (dann kann man die Jacke öffnen und hat trotzdem noch einen Windstopper auf der Brust), Wollsocken und gefütterte Regenüberschuhe. Die Regenjacke hatte ich in der Rückentasche.

Draußen etwas rumgestiefelt merkte ich, dass die Hose etwas warm war. Also wieder ins Zelt und eine kurze Sommerhose und ungefütterte Regenüberschuhe angezogen.
Das war besser; zunächst jedenfalls.
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Pünktlich um 10:54 ging es auf die 150 km. Wie immer wurde jede Startgruppe mit einem Motorrad bis zur Stadtgrenze eskortiert, genau mit 25 km/h.

Ich war die ganze Zeit direkt hinter dem Motorrad und gab dann gut Gas, sobald es weg war. In meiner Startgruppe war nur ein schneller Fahrer, der höllisch loslegte, sodass ich nicht dran bleiben konnte. Statt sich gegenseitig Windschatten zu geben, waren wir beide ständig im Wind; und der blies – blöderweise von vorne.

Ich überholte jede Menge langsame Fahrer und konnte mich erst nach 20 km an eine schnelle Gruppe anschließen. Mit dieser Gruppe hatte ich meinen Freund vom Start schnell wieder eingeholt. Er war merklich langsamer geworden und konnte der Gruppe nicht lange folgen. Ich musste aber auch irgendwann abreißen lassen, weil ich zu schnell angegangen war.

Stattdessen hängte ich mich an eine zwölfköpfige Damengruppe die schön in Zweierreihe vor ihrem Betreuer herfuhr. Leider hielten die Damen nicht lange die 30 km/h die ich brauchte, um in fünf Stunden ins Ziel zu kommen, wofür es einen Sonderpreis gibt. Die Damen hatten das auch nicht nötig, weil Frauen den Sonderpreis bekommen, wenn sie unter sechs Stunden bleiben.

So bin ich alleine weiter bis die ersten Anstiege kamen, die es mit 8 % in sich hatten.

Es war herrlich. In der Sonne ging es auf kleinsten Nebenstraßen auf und ab, vorbei an hübschen Holzhäusern und durch sonnendurchflutete Wälder. So hatte ich mir das vorgestellt.

Auf einmal hatte ich auch eine gute Gruppe gefunden und es ging in schnellem Tempo voran. Meine Kleidung war mir fast zu warm aber mit hochgeschobenen Ärmeln und offenem Reißverschluss war es o.k.

Bei km 70 sollte sich das ändern. Ich hatte mich seit einiger Zeit an drei Schweden fest gebissen und wir erledigten zu viert die Führungsarbeit. Dann zog sich der Himmel zu und es fing heftig an zu regnen und zu stürmen.

Was sollte ich tun? Anhalten und Regenjacke anziehen, dafür aber die Gruppe ziehen lassen? Oder lieber probieren, wie lange die leichte Windstopperjacke dicht hält, in der Hoffnung, dass es bald wieder aufklart?

Ich entschied mich für letzteres. Mit etwas Sicherheitsabstand blieb ich an dem Schweden-Dreier. Aber es war unangenehm. Das Wasser kam von oben und vom Vordermann. Irgendwann lief dann die Brühe von oben in die Schuhe und ich stellte auch fest, dass es schlau gewesen wäre, die Ventilationslöcher in den Schuhsohlen abzukleben.

Die Hose war klatschnass und die Arme auch durchgenässt. Die Brust blieb aber trocken, weil ich nur noch Unterlenker fuhr.
Immer wenn wir fast die dunkle Wolkengrenze erreicht hatten, machte die Strecke einen Schlenker und es ging wieder ins dickste Regenwetter. So ging das die ganze Zeit, bis auch die Brust kühl wurde.

Da noch 50 km zu fahren waren, entschied ich mich dann doch kurz anzuhalten, um die Regenjacke überzuziehen. Mit meinem 33er Schnitt hatte ich ja genug Puffer, um die 5 Stunden zu schaffen. Eine Erkältung wollte ich nicht riskieren, weil ich Freitag ja die 300 km fahren möchte.

Von schnell konnte aber keine Rede sein. Der Reißverschluss der Regenjacke spielte verrückt. Immer wenn ich ihn hochzog, war er unten wieder offen. Nach viel Gezerre und Gereiße hatte ich ihn dann abgerissen. So musste ich mit offener Regenjacke weiter. Zumindest die Arme waren jetzt wieder etwas wärmer.

Ohne Gruppe ging es im Unterlenker weiter, sodass sich die Kälte auf der Brust in Grenzen hielt.

Nach 120 km war der Regen zu ende, aber wir fuhren durch ein Gebiet, das wohl im Zentrum des Gewitters gelegen hatte. Die Straße war so voll Wasser, dass an ein Windschattenfahren nicht zu denken war.

Die Temperatur hatte merklich abgenommen und meine Oberschenkel fühlten sich wie Eisbein an; trotz hoher Durchschnittsgeschwindigkeit waren sie klamm und kalt.
Nach meiner Pinkelpause kam ich kaum noch aufs Rad. So hieß es beißen, wie schon die letzten 50 km.

Schließlich kamen wir durch ein Gebiet wo auf ca. einem Kilometer Schnee(!) im Gras am Straßenrand lag. Ich konnte es nicht glauben und war froh, dass wir das nicht live erlebt hatten.

Bibbernd vor Kälte und klatschnass ging es auf die letzen Kilometer. Die Muskeln fingen leicht zu krampfen an und die Hose war so nass, dass ich kurz davor war, mir einen Wolf zu fahren.
Dann war ich im Ziel. Gesamtfahrzeit 4:35h, inklusive der Regenjacken- und der Pinkelpause, also ein 31,7er Schnitt. Das war schon was.

Pünktlich zum Zieleinlauf strahlte übrigens auch die Sonne wieder.
Nach langer warmer Dusche und zwei Saunagängen ist mir nun nicht mehr kalt, auch wenn die vier Kilometer vom Ziel bis zum Zeltplatz noch einmal ziemlich unangenehm waren.
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