Salbumatol & Co machen manchen Sportler froh

Ein Scheißtag – wieder einmal nur für den Radsport!

Heute wurde bekannt, dass bei Chris Froome nach der 18. Etappe der Vuelta (Spanienrundfahrt) eine Salbumatol-Konzentration gemessen wurde, die mit 2.000 ng/ml weit über dem Grenzwert lag.

Soll Chris Froome dafür bestraft werden? Sag‘ mir Deine Meinung, unten im Abstimmungsformular. Danke!

Pikant!

Pikant, wenn man bedenkt, dass dies gerade auf der Etappe geschah, als er seinem Konkurrenten Nibali 21 Sekunden abnehmen konnte. Pikant auch, wenn man bedenkt, wie viele Hübe er sich dafür rein gepfiffen haben muss.

Ich kenne Salbumatol seit genau 14 Jahren, als ich eine Woche lang, kurz vor Weihnachten 2003, in einem Darmstädter Krankenhaus unter dem Bettchen meines halbjährigen Sohnes übernachten musste. Der hatte damals akuten Keuchhusten und musste das Zeugs danach jahrelang inhalieren.

Wissend, dass viele Leistungssportler so was nehmen, studierte ich den Beipackzettel, auf dem stand „15 Minuten vor der Belastung … 1 bis 2 Hübe …“. Obwohl das Dopingmittel im Haus war, ausprobieren wollte ich es nicht. Auch damals hätte ich damit keine Rennen gewonnen. Außerdem kann man davon fiesen Mundpilz bekommen.

1-2 Hübe

1-2 Hübe vor der Belastung? Führt das zum Grenzwert, wolle ich heute wissen und schmiss die Google-Maschine an.

Einen interessanten Artikel fand ich, der generell lesenswert ist: Why do so many elite cyclists have asthma?



Der Artikel enthält einen kleinen Fehler. Er spricht von einem Grenzwert von 1.600 ng/ml statt nur von 1.000, aber egal. CF hatte ja 2.000. Um den Grenzwert zu erreichen (und hier meint der Artikel wohl die 1.600), braucht es zwischen 20 bis 40 Hüben des Asthmasprays.

CMG: There are two medications that are used as immediate relief. Salbutamol and Terbutaline. Salbutamol doesn’t need a TUE as long as you don’t exceed a certain amount. And, to be honest, you can’t go near that amount using an inhaler, unless you are taking 20 to 40 puffs [a day]. You just can’t.

Nehmen wir jetzt mal an, Kollege Froome hat es mit nur 30 Hüben auf 2.000 ng/ml gebracht, wann hat er die denn inhaliert? Alle vor der Etappe oder auch mal zwischendurch? Oder hat er Salbumatol vielleicht in systemischer Form zugeführt und morgens einfach noch ein paar Hübe drauf gesetzt? Das ist natürlich alles Spekulation. Ein gewisses Maß an Dreistigkeit gehört aber sicher dazu.

Scheiße(!) ist es allemal. Scheiße für den Ruf des Radsports, zumindest in Deutschland. Seit Bekanntwerden grinst mich jeder nach dem Motto an, „ich hab’s Dir doch immer gesagt“.

Immer nur der Radsport

Dass Doping ein wucherndes Krebsgeschwür in allen Sportarten ist, will in Deutschland niemand wahr haben. Immer ist es nur der Radsport! Immer! Dass es einen Riesendopingskandal in der Leichtathletik gab, wo sicher lustig weiter gedopt wird, interessiert nur am Rande.

Die Öffentlich Rechtlichen jammerten, als sie unlängst die Übertragungsrechte für Olympia verloren. Bei der Tour de France hingegen sind sie ausgestiegen, weil der Sport nicht sauber war. Jedenfalls wurde scheinheilig so argumentiert. Dass der Ausstieg aber v.a. wegen sinkender Einschaltquoten beschlossen wurde, darüber redet keiner. Sind wir doch mal ehrlich. Hätte der deutsche TV-Zuschauer Jan Ullrich und Co. nach den Dopingskandalen weiter zu Füßen gelegen, wären die Sendeanstalten nie auf die Idee gekommen, Radsport vom Bildschirm zu verbannen.  Aber Olympia? Geile Sache! Das will jeder sehen. So denken die Öffentlich Rechtlichen und bieten fett bei den Übertragungsrechten mit; Rundfunkgebühr sei Dank. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

Interessant finde ich in dem Zusammenhang den Artikel „Salbumatol für Mario Gomez“ aus der Süddeutschen vom 24.8.2017 – also noch gar nicht so lange her. Hat damals jemand gejault, dass im Fußball verbotene Substanzen mit Sondergenehmigung verabreicht werden? Aber nicht doch, ich bitte Sie! Der Fußball dopt doch nicht. Das machen nur die doofen Radsportler!

Ja, auch im Profi-Radsport wird gedopt – und dafür wird Chris Froome hoffentlich bestraft werden – aber es wird wenigstens flächendeckend kontrolliert und sanktioniert. Das kann man vom Fußball nicht behaupten, lieber Deutscher Michel.


Macht Spitzensport Lungenkrank?

Dazu habe ich bei meiner heutigen Google-Recherche auch einiges gelesen, bspw. hier im letzten Absatz des Artikels der Ärztezeitung. Der Artikel ist zwar schon von 2008 aber sicher nach wie vor aktuell. Es werden Zahlen genannt, leider nur von Ausdauersportarten (ohne Fußball). Triathlon ist mit 24,9% vorne, Schwimmen, Radfahren und Skilanglauf mit etwa 17 % gut dabei. Interessant ist, dass bei den Olympischen Spielen 2014 in Athen 7,7% aller Teilnehmer asthmakrank waren aber 14,4% aller Medallien holten.

Der Artikel schreibt weiter …

Nur wenige Sportler hatten die Atemprobleme bereits von Kindesbeinen an. Vielmehr scheint das intensive Ausdauertraining über die Jahre Asthma zu provozieren.

Infolge der forcierten Atmung kühlen die Atemwege aus, es kommt zur Vasokonstriktion mit sekundärer reaktiver Hyperämie, Ödembildung und Verengung der Atemwege.

Schleierhaft und unfair!

Das wäre zumindest eine Erklärung, warum Leistungssporter öfter zu Salbumatol greifen. Warum sie es aber benutzen und überdosieren (misbrauchen), um über ihre Grenzen zu gehen, wie bspw. CF bei der Spanienrundfahrt, das ist mir erstens schleierhaft und zweitens unfair. Unfair nämlich deshalb, weil Konkurrenten ohne Asthmaerkrankung sicher auch irgendwann die Luft weg bleibt. Hätten die nicht vielleicht auch besser gekonnt, hätten sie sich morgens ein paar Hübe rein gepfiffen? Hätte, hätte, Fahrradkette … oder um beim Fußball zu bleiben, „wäre, wäre …“ ;-).

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass Diego Ulissi 2014 für neun Monate das Rad stehen lassen musste, weil er mit 1.900 ng/ml erwischt wurde. Jetzt bin ich gespannt

Was denkst Du?

Gehört Chris Froome für die Überschreitung des Salbumatol-Grenzwertes bestraft?


Bei Chris Froome wurde nach der 18. Etappe der Vuelta (Spanienrundfahrt) eine Salbumatol-Konzentration gemessen, die mit 2.000 ng/ml um 100% über dem Grenzwert von 1.000 ng/ml lag. Der zweimalige Giro-Etappensieger von 2014, Diego Ulissi, musste im selben Jahr für neun Monate das Rad stehen lassen, weil er beim Giro mit 1.900 ng/ml erwischt wurde. Die Tagessiege durfte er jedoch behalten, weil er an dem Tag, an dem der erhöhte Wert festgestellt wurde, nicht gewonnen hatte. Im Gegensatz zu Froome wurde Ulissi von seinem damaligen Team Lampre-Merida vorläufig suspendiert, nachdem das Ergebnis vorlag. Hätte Team Sky genauso gehandelt, hätte Froome bei den vergangenen Weltmeisterschaften in Norwegen sicher nicht an den Start gehen können. Da gebe ich Tony Martin in seinem Ärger recht. Warum Team Sky und der Fahrer nicht schnell und pro-aktiv an die Öffentlichkeit gegangen sind, erschließt sich mir nur schwer. Sollte bei der Frage, ob Chris Froome für das vergehen bestraft gehört, erst einmal egal sein. Fakt ist, Ulissi wurde gesperrt, obwohl er ähnliche Argumente anbrachte, wie Froome:
I feel it is important to underline the recognition that I have not acted with the intent to improve my athletic performance, but it has been established that I committed negligently, which of course I regret ...

6 Gedanken zu “Salbumatol & Co machen manchen Sportler froh”

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