Kwaremont – das Bier für die „Kopmannen“   Vor kurzem aktualisiert!


Bierfan

Auch wenn ich gebürtig aus einer Weingegend stamme, und gerne einen guten Wein im Glas habe, bin ich Bierfan.

Zum Radsport gehört Bier dazu. Wie geil ist es, nach dem Rad-Event oder der Afterworkrunde mit Freuden anzustoßen, dabei zu Fachsimpeln und ein paar Witze zu reißen!

„Industriebier“ kann mir aber gestohlen bleiben, solange der Durst nicht allzu groß ist.

Zum Glück gibt es auch bei uns immer mehr Craft-Biere, die anders sind und besondere Freude bereiten.

Richtig gute Biere gibt es aber in Belgien, dem spirituellen Zentrum von Bier und Radsport.

Kwaremont

Das Bier, von dem jeder Radsportler gehört haben sollte, ist Kwaremont.

Kwaremontbier, das in Deutschland leider (noch?) nicht vermarktet wird, ist mir auf Mallorca über den Weg gelaufen. Es war Sonntag, Tag der Flandernrundfahrt, und ich saß nach meiner Trainingsrunde beim Holländer, an der Playa. Der Laden war innen und außen rappelvoll. Frank, der Wirt, zeigte auf vier Flatscreens die Flandern-Rundfahrt live.

Frank merkte, dass ich mich nach einem ersten alkoholfreien Weizen getränketechnisch nicht entscheiden konnte. So fragte er, ob ich ein Kwaremont haben wolle. Kwaremont? „Nie gehört, Frank. Was ist das?“, fragte ich.

Frank freute sich sichtlich, dass er mir was beibringen konnte. Kwaremont, erklärte er, sei das Bier der Radsportler. Belgisches Bier, das gerade heute am Tag der Ronde Van Vlaanderen getrunken werden müsse. Schließlich sei der Oude Kwaremont der vorletzte Anstieg der Flandernrundfahrt. Aha. Ich hatte weder von dem Bier noch von dem Berg je gehört.

Als Frank mit dem Bier und einem original Bierglas zurück war, zeigte er mir das stolz das Glas. Im Fuß sieht man die Pflastersteine des Kwaremont und im Stil einen kleinen Rennradfahrer. Das Bier, so erklärte er, habe 6,6%, genau wie der durchschnittliche Anstieg des Kwaremont.

Angeblich sind die Plastersteine, die im Fuß des Glases zu sehen sind, original von einer Stelle des Kwaremont abgebildet. Wer die genaue Stelle findet, so heißt es, bekäme von der Brauerei reichlich Kwaremont eingeschenkt.

 

Nach meinem vierten Glas hatten die Profis im Fernsehen den Oude Kwaremont erreicht und Peter Sagan, der Vorjahressieger stürzte legendär, weil er sich in der Jacke eines Zuschauers verhangen hatte. So bleibt mir der Kwaremont in lebhafter Erinnerung.

Statt die Cobbles zu küssen, hätte Peter eigentlich wieder Kwaremont trinken wollen, wie schon im Vorjahr oder 2017, als er Kuurne–Brüssel–Kuurne gewinnen konnte. Der Sieger der Flandernrundfahrt und aller anderen Rennen, die von Kwaremontbier gesponsert werden, bekommt nämlich eine exklusive 6-Liter-Flasche, die nur für Siegerehrungen abgefüllt wird.

(c) Kwaremont, Fotos: Peter De Voecht

Ich hatte zwischenzeitlich Gelegenheit im Centrum Ronde Van Vlaanderen so ein Siegerbier zu stemmen. Nur öffnen durfte ich die Methusalem (so nennt man eine 6-Liter-Flasche) nicht.

Ach ja, bevor ich es vergesse, am Abend meiner Erstbegegnung mit Kwaremontbier, beim Holländer an der Playa de Palma, wackelte ich hernach mit dem Rad die Playa entlang, bis zum Hotel. Vier Bier mit 6,6%, reichen um nicht mehr ganz gerade aus fahren zu können ;-).

Wie schmeckt Kwaremont?

Das als „Pittig Blond“ bezeichnete Bier hat eine helle, rot-bräunliche Färbung. Der volle, leicht süßliche Geschmack ist dennoch würzig-hopfig mit angenehmer Bitternote. Kalt, bspw. auf der Sonnenterrasse von Frank an der Playa de Palma, wenn man von einem 130-km-Training kommt … einfach geil!

Selbst wenn man mit Radsport nicht viel zu tun hat und nicht vom Training kommt, schmeckt Kwaremont super lecker. Wetten? Frag einfach Luisa. Die wird es bestätigen.

Die Geschichte vom Kwaremont-Bier

Kwaremont-Bier wird von der etwa 20 km vom Oude Kwaremont entfernten Familienbrauerei „De Brabandere“ in Bavikhove gebraut, und das erst seit 2013.

2010, so erzählte mir ein Mitarbeiter von De Brabandere, übernahm De Brabandere die Brauerei der Gemeinde Kluisbergen, zu der der Oude Kwaremont gehört. Dort wurde schon ewig ein 7%iges dunkles Bier mit dem Namen „Oude Kwaremont“ gebraut.

2013 kam dann der Relaunch. Aus „Oude Kwaremont“ wurde „Kwaremont“ und aus Dunkelbier ein Blondes. Obwohl, ganz so blond wie unsere hellen Biere in Deutschland ist Kwaremont Blond eigentlich nicht. Mit der Farbe änderte sich auch der Alkoholgehalt. Aus 7% wurden 6,6%, so viel wie der Steigungsdurchschnitt des Oude Kwaremont.

Gleichzeitig fokussierte die Brauerei auf Radsport.

2014 änderte man dann auch das Look&Feel. Das Logo-Design sowie die Farben schwarz und orange sind an Molteni angelehnt.

Eddy Merckx feierte in Molteni-Trikots seine größten Erfolge. Die Älteren werden sich erinnern.

Sponsorships

Seit 2015 ist die Brauerei einer der Hauptsponsoren der Flanders-Classics, also Ronde Van Vlaanderen, Gent-Wevelgem, Omloop Het Nieuwsblad, Dwars Door Vlaanderen, Scheldeprijs und Brabantse Pijl.

Außerdem sponsert man große Rennen wie E3 Harelbeke und Kuurne-Brussel-Kuurne, die durch das Umland er Brauerei führen.

Insgesamt unterstützt Kwaremont derzeit (50!) Rennen und es sollen mehr werden. Weil Radsport in Belgien einen hohen Stellenwert hat, will man sich im Amateur- und Jedermannbereich noch stärker engagieren.

Das ist auch der Grund, warum kein professionelles Team gesponsert wird. Kwaremont, so die Brauerei, steht für Radsportambiente, -atmosphäre und einfach Spaß am Radfahren. Deshalb unterstützt man v.a. den Breitensport.

Kopmannen

„Gebrouwen voor Kopmannen“, heißt es auf Flämisch. So steht es auf der Flasche, bzw. im Logo. Gebraut für den Kopmannen, also den der vorne fährt. Den Sieger, aber auch den, der vorne im Wind fährt. So wird Kopman wörtlich übersetzt und so hatte es mir auch Frank, der Holländer aus S’Arenal erklärt.

Aber sind wir nicht alle Kopmannen?

In der „Kwaremont-Bibel“ – die gibt es wirklich – wird Kopman etwas weiter umschrieben.

Kopman (or real cyclists) means a person that in undertaking and charming. The type of person is authentic, loyal and trusty. A Kopman never leaves the team behind and always share a win with the other. A Kopman can be the leader, can be the helper, can be the fan, can be the wive, can be the husband… Everyone can be a Kopman aslong as it means you do it with passion and for the love of cycling!

Ja, wir sind alle Kopmannen!

 

Kwaremont Koerse Kaffees

… sind Radsportkneipen, von denen es in Belgien und den Niederlanden schon 50 Stück gibt. Was man erfüllen muss, um zum Kwaremont Koerse Kaffee zu werden, weiß ich leider nicht. Eine Liste der Koerse Kaffees findest Du hier. Bei nächster Gelegenheit werde ich bei dem ein oder anderen mal rein schauen.

Kwaremont-Trikot

Beim Holländer, draußen in der Bar steht ein mannshoher Aufsteller. Ein Rennradfahrer im Kwaremont-Trikot von Bioracer.

Da ich das Design im Speziellen und Bioracer allgemein gut finde, wollte ich wissen, ob es das Kwaremont-Outfit zu kaufen gibt.

Aber ja, erklärte mir der Mitarbeiter der Brauerei für (O-Ton) einen „sehr demokratischen Preis“ von 66 EUR, Bezug nehmend auf die 6,6% Alkohol bzw. Steigung – und zwar für Trikot und Hose!

Bestellen kann man pragmatisch per Email, Du solltest aber vorher abklären, was der Versand nach Deutschland kostet. Das weiß ich nämlich nicht.

Wo gibt es das Zeug?

Leider noch nicht in Deutschland, was sich aber hoffentlich irgendwann ändert. Zur Zeit wird es v.a. in Belgien und den Niederlanden vermarktet. Wer in Belgien ist, kann es bspw. beim Lidl bekommen.

Langsam wagt man sich aber auch an den Export. Spanien (Calpe, Mojacar, Palma …), Italien, rund um den Stelvio, in einigen Bars in UK und USA …

Für Deutschland bittet der Brauereimitarbeiter um Geduld, schließlich sei man eine kleine Familienbrauerei.

Vielleicht findet sich ja bald ein Frankfurter Wirt (wie wär’s Radu?) und nimmt Kwaremont ins Sortiment? Schließlich haben wir in Frankfurt ne geile Radszene und schmecken wird Kwaremont auch im Hessischen, nicht nur auf dem Kwaremont.


Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.

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