Fahrradjäger – Wie krank muss man sein? 12


Wie krank ist das denn?

Ich bin es gewöhnt, dass es beim Rennradfahren manchmal kitzelig wird. Man selbst oder andere Verkehrsteilnehmer sind unachtsam. Das kommt vor. Genau wie es vorkommt, dass man eng überholt wird. Oft, eigentlich zu oft! Meist ist dabei aber keine Absicht bzw. Vorsatz zu unterstellen.

Heute hatte ich einen anderen Eindruck!

Als Test für den 1. Mai – übrigens durchgefallen – war ich auf der Strecke der heutigen Bezirks-RTF unterwegs. Im Wald, kurz vor Babenhausen, wurde ich von einem braunen Mercedes-Cabrio mit Darmstädter Kennzeichen überholt. Im Überholverbot, aber ohne Gegenverkehr, fuhr der Vogel mit hoher Geschwindigkeit, relativ knapp an mir vorbei. Als er direkt hinter mir war, hupte der Vollhonk.

Nicht, dass Hupen verboten ist. Zumindest außerhalb geschlossener Ortschaften darf man mit der Hupe warnen. Die Hupe wurde aber zum „Weghupen“ eingesetzt, nicht als Warnung bzw. Vorankündigung des Überholvorgangs.

Mein Puls war schlagartig oben. Wäre ich ein unerfahrener Radfahrer, hätte mich der Überholvorgang sicher ins Schlingern gebracht.

Die Situation war eindeutig, weshalb ich Absicht unterstelle. Es gab keinen Gegenverkehr, ich fuhr weit rechts, er hatte seine Geschwindigkeit nicht verringert und hupte erst kurz vor meinem Hinterrad.

Wer mich kennt der weiß, dass ich solche Kollegen gerne an der nächsten roten Ampel freundlich anspreche.

Die nächste rote Ampel war schätzungsweise ein bis zwei Kilometer entfernt. Voll im Saft hätte ich Vollgas gegeben. Heute aber nicht.

Kommt man auf der RTF-Strecke in Babenhausen rein, geht es irgendwann an der Ampel nach rechts bis nach 200 Metern die nächste Ampel kommt. Dort biegt man nach links ab und durchfährt nach wenigen Metern einen kurzen Straßentunnel.

Als ich dort einbog stand am Straßenrand ein Rennradfahrer, der anscheinend zu Fall gekommen war. Er war nicht alleine, so fuhr ich daran vorbei.

100 Meter weiter stand der braune Mercedes am Straßenrand. Das fand ich interessant und drehte um.

Der zu Fall gekommene Sportfreund und ein Begleiter schilderten mir, dass der Mercedes gehupt, eng überholt und geschnitten hatte, sodass der Unfall passiert ist. Bereits vorher, an der ersten roten Ampel soll er die Radfahrer zur Seite gehupt haben.

Hier scheint einer unterwegs gewesen zu sein, der sich einen Spaß daraus macht, Rennradfahrer zu erschrecken.  Wie krank ist das denn, bitteschön?

Als ich ihn auf sein Überholmanöver im Wald ansprach, bestritt er den engen Überholvorgang. Gehupt habe er angeblich auch nicht.

Am Cervélo des verunfallten Fahrers war übrigens erheblicher Schaden entstanden und die Verletzungen waren so, dass er ins Krankenhaus zum Checken musste.

Die Polizei, die zum Unfallort gekommen war, befragte die Unfallgegner getrennt. Bevor ich weiter fuhr hörte ich, dass die beiden Parteien widersprüchliche Aussagen gemacht hatten. Klar, der Vollhonk hatte schon im direkten Gespräch alles bestritten.

Ich hoffe, dass mein Video die Aussage der Sportfreunde stützt und auch zeigt, dass es kein einmaliges Versehen war.

Übrigens, weil es ja immer wieder Diskussionen zum Videobeweis gibt: Die Polizei fragte explizit nach GoPro-Aufnahmen. Leider hatten die Sportfreunde keine Kamera am Rad.

Übrigens: Ich poste das Video nicht öffentlich, weil ich leider keine Software habe, die das Kennzeichen unkenntlich macht.

 


Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.


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