Votec VRX G Pro – Gravel Rocker 8


Ich muss zugeben, als ich vor etwa einem Jahr das neue Votec VRX G Pro von Guilty76 Presidente Flo Jöckel sah, kam schon etwas Neid auf.

Gerade hatte ich ein hochwertiges 29er Hardtail gekauft und wusste, dass ein Gravel-Bike für mich als Rennradfahrer die bessere Entscheidung gewesen wäre.

„Schön blöd“, wirst Du nun sagen, „hättest Du Dir halt einen Crosser gekauft“.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Schließlich sind waschechte Crosser fürs Gelände gebaut, wogegen Gravel-Bikes bzw. Gravel-Grinder für den Mischeinsatz auf Straße und unbefestigten Wegen konzipiert sind. Gravel-Bikes haben darüber hinaus eine wesentlich komfortablere Geometrie, verglichen mit einem Crosser.

Vor genau einem Jahr, als ich mein Hardtail bestellte, wusste ich einfach zu wenig über „Gravel-Grinder“. Die Ahnungslosigkeit versuchte ich im Sommer hier aufzuarbeiten.

Votec VRX G Pro – der Gravel Rocker

Ausgiebig testen durfte ich das Votec VRX G auf der Eurobike, als ich für zwei Stunden in den Wäldern um das Messegelände verschwunden war.

Viele schicke Fotos hatte ich damals gemacht, die nach der Reise leider im Datennirvana verschwunden waren. Nur das o.a. Foto war übrig. Leider war damit auch die Lust auf einen schönen Blogbeitrag verflogen … bis gestern.

Gestern war ich nämlich bei Ganesh, einem Leser meines Blogs, der sich ein Votec VRX G bestellt hatte.

Votec ist eine Marke von Internetstores. Die Räder gibt es nur online, entweder bei fahrrad.de oder bruegelmann.de.

Endmontage

Ganesh hatte bei fahrrad.de bestellt und erhielt, versendertypisch, eine große Kiste mit einem Bike, das sich nach Endmontage sehnte.

Um das Rad zum Leben zu erwecken, mussten Sattel, Sattelstütze, Lenker und Vorbau justiert und festgezogen werden. Außerdem war das Vorderrad einzubauen – dank Steckachse ein Kinderspiel.

Zusätzlich waren Pedale und Flaschenhalter zu montieren, die natürlich nicht im Lieferumfang des Rads enthalten sind.

Gut, wenn man Fett und Montagepaste zur Hand hat. An geeignetem Werkzeug sollte es bei der Montage auch nicht fehlen. Das hatte ich alles dabei.

Positiv überrascht war ich, dass Votec einen passenden Drehmomentschlüssel beigelegt hatte. Zwar ist er manuell und kein teures Modell, aber damit kann man schon sehr genau die gewünschten Anzugsdrehmomente aufbringen. Außerdem legt Votec Reifendichtmilch und Ventile bei, um das Rad bei Wunsch auf „tubeless“ umrüsten zu können. Das ist top, Votec!

Nach einiger Feinabstimmung war Ganeshs Votec VRX G montiert und an Ganesh angepasst.

Ganesh hatte sich für einen 54er Rahmen entschieden. Entsprechend „komfortabel“ ist die Sitzposition. Wahrscheinlich wird er in den nächsten Wochen den Gabelschaft kürzen lassen, damit er etwas Sattelüberhöhung bekommt.

Exkurs Fahrradgeometrie

Schaut man sich die Geometriedaten des VRX G an, hätte ihm ein 51er etwas besser gepasst, bzw. eine sportlichere Sitzposition ermöglicht.

Wichtig für die Auswahl des richtigen Rahmens sind Stack und Reach, nicht aber Oberrohr- oder Sitzrohrlänge, wie einen die vermeintlichen Radexperten auf Facebook gerne glauben lassen.

Grob gesagt beschreibt Reach die „Länge“ des Fahrrads und Stack die „Höhe“.

Vergleicht man beim Votec VRX G Pro die Werte des 51er und 54er Rahmens stellt man fest, dass der 51er nur unwesentlich kürzer als der 54er ist.

Reach 377 zu 380 bedeutet, man sitzt bei sonst gleicher Einstelltung des Sattels auf dem 54er nur 3 mm gestreckter.

Stack 564 zu 588 sagt uns, dass die Sitzüberhöhung beim kleineren Rahmen 2,4 cm größer ausfällt.

Woran liegt das? An den unterschiedlichen Werten von Sitzwinkel und Lenkwinkel.

Deshalb kaufe niemals ein Rad bspw. nach Oberrohrlänge, nur weil diese bei einem anderen Rad „gepasst“ hat.

Kennst Du aber Stack- und Reach-Werte, bei denen Du Dich wohl fühlst, kannst Du immer bewerten, ob ein Rad zu Dir passt, bzw. welche Rahmengröße Du wählen solltest.

Zurück zum VRX G

Bis auf die Carbon-Gabel ist das VRX G ein Alu-Rad. Da werden komfortverwöhnte Rennradfahrer die Nase rümpfen. Braucht man aber nicht! Ein Alu-Rennrad ist nicht mit einem Alu-Gravel-Grinder vergleichbar.

Auf seiner 35 mm breiten Schwalbe G-One Gravel-Bereifung, die man mit max. 2,5 bis 3 bar fährt, rollt das Votec VRX G „smooth as silk“. Dank seiner Geometrie macht es auf der Straße einen agilen Eindruck, im Gegensatz zu manchem Crosser, der geometriebedingt träger wirkt.

Insgesamt ist das Rad überdurchschnittlich ausgestattet. Gebremst wird mit hydraulischen Scheibenbremsen der SRAM Rival Gruppe, die mit 160-mm-Scheiben sehr gut verzögern.

Die Laufräder des 2016er Modells kommen von DT-Swiss. Das 2017er VRX G hat SRAM Roam 40 verbaut.

Ansonsten scheint es bis auf die Farbe (2017 in blau/schwarz) keine nennenswerten Änderungen bei den Modelljahren zu geben.

Auch 2017 kommen Sattelstütze, Vorbau und Lenker von Zipp und der Sattel von Ergon.

Gleiches gilt für die Schaltung, die ich persönlich hoch interessant finde. Das Votec VRX G kommt nämlich mit einer SRAM Rival 1×11 daher. Es gibt also vorne nur ein Kettenblatt, ein 44er, und hinten ist eine 11fach-Kassette mit 10-42 Zähnen verbaut.

Zunächst war ich skeptisch, ob 1×11 für mich was ist. Nach zwei Stunden in Friedrichshafen konnte ich die Frage mit einem klaren ja beantworten.

Auch als ich gestern Ganeshs Rad Probe gefahren bin, habe ich den vorderen Umwerfer bzw. 2fach nicht vermisst.

Preislich liegt das Votec VRX G Pro übrigens bei freundlichen 1699 EUR, trotz guter Ausstattung.

Votec VRX G in der Roadbike

In der aktuellen Ausgabe der Roadbike wurde das VRX G 2017 mit gut getestet. Als Minus wurde jedoch die 1×11-Schaltung gewertet: „Mit seinen 35 mm breiten Reifen und der Sram-Schaltung mit nur einem Kettenblatt ist es ganz sicher nichts mehr für auf Vielseitigkeit achtende Tourenfahrer … Doch das Testrad ist andererseits längst nicht so eingeschränkt, wie man vermuten würde“, schreibt Roadbike.

Wenn die 1×11-Schaltung das Rad also gar nicht so einschränkt, wie man vermuten würde, wäre das für mich ein positiver Aspekt – und genau so habe ich das Rad erfahren bzw. erradelt. Deshalb hätte ich irgendwann gerne auch so ein Teil!

Foto: Roadbike 03/2017

Wer mehr darüber lesen will, sollte sich die neue Roadbike zulegen. Testsieger dort wurde übrigens ein Rad von Rose, das mit 2099 EUR ganze 400 EUR teurer als das Votec ist. Darüber hinaus hat das Rose eine sehr sportliche (lange) Sitzposition, was verrät, dass das Rose eigentlich ein Crosser ist, der als Gravel-Bike vermarktet wird. Also genau nicht, was ich suche. Das sieht man auch am Namen: Rose Xeon CDX Cross 2000.

Fazit

Das Votec VRX G Pro ist ein Gravel Bike, wie man es sich wünscht.

Das sieht der Guilty76 Presidente übrigens genauso. Für meinen Artikel im Sommer 2016 hatte er das Votec treffend beschrieben:

„seit ich dieses bike habe, verstaubt mein rennrad. im ernst. ein super bike fuer alle terrains. wenn wochenends die promenaden zu voll sind, ballern wir einfach im wald an denen vorbei …“, erklärt Florian. „wenn ein bike den namen rock n roll verdient hat, dann ein gravel bike.“

Was soll ich sagen, Flo Jöckel hat recht!


Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.


Du darfst gerne kommentieren. Bitte verwende keine Links, da solche Kommentare zunächst in die Warteschleife geschoben werden.

8 Gedanken zu “Votec VRX G Pro – Gravel Rocker

  • Thomas Sommer

    klasse Bike und kam auch bei mir in die engere Auswahl – letztendlich habe ich mich für ein Bulls Grinder 3 entschieden und bin sehr zufrieden damit bisher

  • BlossKeinStress

    Danke für den Bericht. Nach langer Recherche bin ich auch auf das Rad gestossen. Insbesondere will ich unbedingt die SRAM 1×11 in Konbination mit einer „komfortablen“ Geometrie, also wirklich keinen Race-Crosser. Das schränkt ie Auswahl immens ein. Da Du oben genau auf diese Fagestellung eingegangen bist: Ich hänge bei dem Rad genau zwischen zwei Größen, M und L. Mit 84 cm Schrittlänge bin ich bei beiden Größen in der Empfehlung des Herstellers dabei, mit 177cm Köpergröße bin ich lt. Tabellen wohl ein „Langbeiner“. Ich fahre wirklich lieber ein wenig aufrechter, zu sportlich ist nichts für mich. Was meinst Du, eher ein wenig größer oder eher ein wenig kleiner nehmen?

      • BlossKeinStress

        Ich bin dann mal völlig verwirrt 😉 Bei den Wald-und-Wiesen-Rahmenrechnern heisst es doch immer, für tourenorientere Fahrweise eher den größeren, für sportlichkeit eher den kleineren Rahmen. Aber sitze ich bei einem kleineren Rahmen mit kleinerem Reach nicht eigentlich aufrechter und damit „komfortabler“?

    • Claude Beitragsautor

      Das stimmt im Prinzip, aber nur dann, wenn der Stack gleich ist. Beim kleineren Rahmen ist ja das Steuerrohr kürzer und somit das Stack geringer. Das kannst Du aber ggf. mit Spacern oder positiv gedrehtem Vorbau ausgleichen.

  • Jens

    Servus…
    Vielen Dank für den super Beitrag, welcher bei meiner Entscheidungsfindung mit ausschlaggebend war und ich nun seit 5 Monaten stolzer Besitzer des Votec bin. Ein großes ABER gibt es in meinem Falle dennoch, und zwar die Schwalbe G-One. Innerhalb der 5 Monate und vielleicht 500 Kilometern (fahre parallel noch MTB) hatte ich bereits acht Reifenpannen. Zum Test hatte ich mein Hinterrad auf Tubeless umgerüstet und dieser ist auch betroffen. Nun muss ich dazu sagen, dass ich mit dem Votec überwiegend auf Asphaltwegen unterwegs bin und dort schon mal kleinere Steinchen herumliegen. Nichts desto trotz sind die häufigen Reifenpannen recht viel und ich bin glücklicherweise durch das Dichtungsmittel zumindest immer noch nach Hause gekommen. Der Mantel hält mittlerweile den Druck nicht mehr und ich muss ihn wechseln. Nun bin ich beim Thema Druck. Im Beitrag wird ein Druck zwischen 2,5 – 3 bar erwähnt. Ist das deine Empfehlung? Auf dem Reifen steht bis zu 5 bar und ich bin immer mit 4 bar gefahren. War das vielleicht doch zu viel? Laut Herstellerangaben beträgt die Maximallast 70kg pro Reifen. Diese wird in meinem Fall nicht überschritten.

    • Claude Beitragsautor

      Hi, die 2,5 bis 3 bar ist die Empfehlung von Votec. Ich hatte extra nachgefragt, weil ich das Bike von Ganesh montieren wollte und nicht wusste, wie viel Druck auf die Reifen kommt. Ich, 75 kg, konnte mit dem Druck gut fahren.
      Auf meinem Marin mit 700x45C Reifen fuhr ich 2 bar. Der Händler meines Vertrauens, Radsport360, hatte das Vorderrad zum zentrieren und meinte, ich solle weniger Druck fahren. Fahre nun seit drei Tagen 1,8 bar und versuche nun noch etwas weniger. Man muss sich wohl einfach mal ran tasten. 4 bar für die Schwalbe auf dem Votec sind sicher zu viel, falls man keine 90 kg wiegt.

      • Jens

        Hallo Claude, vielen lieben Dank für den Hinweis. Ich werde es mit weniger Druck probieren und ggf. langsam erhöhen. Gruß Jens