Gut geschmiert? Praxistest Kettenschmierstoffe 4


 

Test Kettenschmierstoffe

Tour Test KettenölIn der Tour 4/2016 gab es einen großen Test zu Kettenschmiermitteln, der im Netz teils kontrovers diskutiert wurde. Klar, viele haben langjährige Erfahrung mit ihrem Kettenöl gemacht und schwören drauf.

Mir ging es genauso und ich war baff erstaunt, dass mein Lieblingsöl für’s Rennrad „Finish Line Teflon Schmiermittel“ von der Tour mit der Note 3,2 ziemlich schlecht bewertet wurde. In Sachen Kriechfähigkeit hatte es top abgeschnitten und in der Handhabung war es gut, was ich selbst aus mehrjähriger Erfahrung bestätigen konnte. Allerdings bekam das Finish Line Teflon bei Schmierfähigkeit und Schmutzanhaftung jeweils nur eine 4,0.

Testsieger wurde mit der Gesamtnote 1,1 der Trockenschmierstoff von Dynamic gefolgt vom Kettenschmierstoff desselben Herstellers.

Testkandidaten

Ob diese beiden Schmiermittel wirklich signifikant besser als mein Finish Line Teflon sind, wollte ich wissen und bestellte je zwei Flaschen kurz vor meinem Mallorca-Trainigslager.

Außerdem testete ich im Laufe der Saison das Finish Line Keramik Wachs, das Kettenöl von WD-40 sowie Dr. Wack F100 Trockenschmierstoff und Dr. Wack F100 Kettenöl.

Das Öl von WD-40 fand ich im Startbeutel von Eschborn-Frankfurt und die beiden Schmiermittel von Dr. Wack wurden mir vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellt.

Test Kettenschmiermittel

Schmierfähigkeit – sie schmieren alle

Eins kann ich mit Gewissheit sagen: Keines der Mittel fiel in der Praxis durch schlechte Schmierung auf, obwohl das WD-40 sowie das Finish Line Teflon bei der Tour nur eine 4.0 bekommen hatten. Die beiden Dynamic-Produke sowie das Kettenöl und der Trockenschmierstoff von Dr. Wack hingegen waren alle mit 1,0 bewertet und das Finish Line Keramik Wachs mit 2,0.

Besonders gut schmiert das Kettenöl von Dr. Wack, das ich seit Jahren fürs MTB bzw. den Crosser benutze. Auch bei Nässe bleibt es gut haften. So hatte ich die Kette vor der diesjährigen Vätternrundan dick mit F100 Kettenöl eingesprüht, weil Regenwetter angesagt war. 150 km fuhr ich bei Nässe und teilweise Starkregen. Danach dann noch 150 km auf trockener Strecke. Bis zum Schluß war die Kette gut geschmiert.

2012 war ich bei Vätternrundan unter ähnlichen Bedingungen unterwegs und hatte mit dem Finish Line Teflon geschmiert. Nach 200 km war das Öl ziemlich am Ende. Die Kette knirschte und lief ziemlich trocken.

Zum Trockenschmiermittel von Dynamic, das wirklich gut schmiert, ist anzumerken, dass es alle 150 km neu aufgetragen werden soll. Für Langstreckenfahrer ist es deshalb kaum zu gebrauchen. Hier punktet der Trockenschmierstoff von F100. 300 km soll man fahren können, bis die Kette nachbehandelt werden muss. Das kann ich, zumindest bei trockenen Bedingungen, so bestätigen.

300-vs-150-km

Schmutzanhaftung

Hier sind die Produkte in der Tat unterschiedlich. Besonders bei den beiden Trockenschmierstoffen von Dynamic und Dr. Wack ist das augenfällig. Aber nicht nur die Kette bleibt länger sauber. Auch Kassette und die Schaltröllchen bleiben länger schön. Das Mittel von Dynamic hat im Praxistest etwas besser abgeschnitten, aber das F100-Trockenschmiermittel ist fast genauso gut.

Bestätigen kann ich die Bewertung der Tour was die Schmutzanhaftung der anderen Mittel betrifft. Das Finish Line Wachs war in meinem Praxistest besser als das Finish Line Teflon und das WD-40-Produkt.

Besonders beim Finish Line Teflon ist die Kette nach jeder Fahrt ziemlich schwarz. Das F100 Kettenöl sowie das Öl von WD-40 sind in der Kategorie aber ähnlich schlecht.

Handhabung

Hier gibt es die größten Unterschiede.

Die beiden Mittel von Dr. Wack kommen in der Sprühdose und können dadurch gut und dosiert auf die Kette aufgebracht werden.

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Die anderen Mittel sind alle in ähnlichen Plastikflaschen abgefüllt. Die beiden Produkte von Finish Line sowie das WD-40-Öl lassen sich punktuell gut auftragen, da sie relativ dickflüssig sind. Allerdings dauert das Auftragen im Vergleich zum Spray länger, weil man Glied für Glied einen Tropfen auf die Kette aufbringen muss.

Etwas dünnflüssiger ist der Kettenschmierstoff von Dynamic, der sich aber fast ähnlich gut tröpfchenweise auftragen lässt.

Der Trockenschmierstoff von Dynamic ist von der Handhabung m.E. ungenügend und ich kann nicht verstehen, warum die Tour hier eine 2,0 vergab. Der Schmierstoff ist sehr dünnflüssig und spritzt beim Umdrehen unkontrolliert aus der Flasche. So geht relativ viel des teuren Schmierstoffs neben statt auf die Kette.

Warum der Trockenschmierstoff von Dr. Wack in Sachen Handhabung von der Tour nur eine 3,0 bekam, kann ich nicht nachvollziehen. Doch halt, vielleicht weil das Lösungsmittel im Trockenschmierstoff arg stinkt. Eigentlich kann man den Schmierstoff nur im freien Auftragen. Danach muss Kette einige Stunden ‚ausstinken‘, bis das Rad zurück in die Wohnung kann.

Fazit

Obwohl ich seit Jahren mit „meinem“ Finish Line Teflon zufrieden war, muss ich zugeben, dass es bessere Schmiermittel für die Kette gibt.

Für’s Mountainbike oder wenn man oft im Regen fährt, empfehle ich das F100 Kettenöl in der Sprühflasche.

Rennradschönwetterfahrer sind mit einem Trockenschmierstoff aber besser bedient. Kette, Kassette und Schaltröllchen bleiben wesentlich länger sauber. Der Trockenschmierstoff von Dynamic ist gut, muss aber nach alle 150 km neu aufgetragen werden. Auf Mallorca war das nach jeder Fahrt. Das ist zwar o.k., aber aufgrund der schlechten Handhabung ziemlich lästig.

Mein absoluter Favorit für’s Rennrad ist deshalb das Trockenschmiermittel von Dr. Wack. Es hält im Praxistest wirklich 300 km durch und lässt sich dank Sprühflasche prima auftragen. Top!

Will man keinen Trockenschmierstoff, sollte man den Dynamic-Kettenschmierstoff (nicht der Trockenschmierstoff) ausprobieren, oder das F100 Kettenöl.

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Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.


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4 Gedanken zu “Gut geschmiert? Praxistest Kettenschmierstoffe

  • Martin

    Hallo,
    ich bin der Autor von 2rad.nrw und war vor dem Test mit dem Dynamic Nasschmiermittel an meinem Cyclocross auf der Straße sehr zufrieden. Bei Rose wurde es als günstiges und gutes Öl gelobt. Es war das Beste, was ich bisher in den Fingern bzw. auf der Kette hatte. Das Trockenschmiermittel habe ich mir nach dem Testbericht der Tour auch testweise gekauft und war anfangs total begeistert.

    Nach nur gut 100 km fing die Kette auch bei mir wieder an zu zwitschern – bei trockenem Wetter. Und schon beim ersten Auftragen aus dem völlig ungeeigneten Spenderkopf habe ich auch gedacht: Was für eine Verschwendung – alles ging sofort neben die Kette in den Lappen, das Trockenschmiermittel ist viel dünner als das Õl im gleichen Gebinde. Die Dose hält schon wegen der Dosierung nicht ein Drittel solange wie das Dynamik-Öl, bei dem der Spender gut funktioniert.

    Aber die Antriebsteile bleiben wie hier berichtet wirklich sehr sauber. Es wird auf Dauer nur nervig und auch teurer, der Hersteller sollte bei der Dosierung wirklich nachbessern.

      • Thomas

        die Handhabung ist eigentlich bei allen Sprays mangelhaft, da man drei Hände bräuchte. Eine dreht die Kurbel, eine hält das Spray und dann sollte man noch einen Lappen darunter halten können um das Laufrad nicht zu versauen. Insofern ist Öl aus der Flasche besser, da man mit der einen Hand drehen und mit der anderen auftragen kann. Die Trockenschmiermittel beeindrucken eigentlich nur durch einen augenfällig und nur optisch „schöneren“ Antrieb. Lieber öfter mal reinigen! Bei Nässe und im Winter verwende ich Innotec 107, da man bei Frost schlechter waschen kann und Innotec reinigt und schmiert. Ansonsten Dr Wack Kettenöl – wobei die Unterschiede bei den Ölen garnicht so groß sind. Ich fahre 7500 km pro Jahr. Davon 5000 als Pendler (ganzjährig).

        • Thorsten

          Ich kann Thomas bzgl. Innotec 107 nur bestätigen und finde, dass es das Beste für Allwetterfahrer und „Im-Winter-Durchfahrer“ ist. Es arbeitet gut auch bei Nässe, Schnee und Frost. Und zur Not kann man es auch mal einfach schnell „drübersprühen“. Trockenschmiermittel hatte ich mal probiert, aber auch die Erfahrung gemacht, dass der Antrieb sehr schnell schon wieder Geräuche macht.