Rennradfahren in der Wüste


Ein Gastbeitrag von Kettenheld Bernhard Hujer, Abu Dhabi

Was utopisch klingt, war vor ein paar Jahren auch noch so. Der Rennrad-Markt hat in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen erstaunlichen Boom hingelegt.

Vor ein paar Monaten habe ich für Claude bereits einen Bericht über ein Jedermann-Rennen auf Yas Island geschrieben, und hier ist der damals versprochene Statusbericht zur Entwicklung des Landes, in dem ich seit fast 6 Jahren lebe.

Januar 2012 vor meinem Arbeitsplatz in Fujairah

Januar 2012 vor meinem Arbeitsplatz in Fujairah

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Ausbilder bei der Feuerwehr in den Emiraten blieb mein Rennrad erst einmal in Deutschland, da ich keinerlei Ahnung hatte, was mich erwarten würde. Straßen, Verkehr, eine andere Kultur in einem fremden Land und ein Jahresvertrag waren zu viele Unbekannte um mein Rennrad direkt mit zu nehmen.

Nach meiner Eingewöhnungsphase im östlich gelegenen Emirat Fujairah und einem nur bedingt existierenden ÖPNV stand schnell fest, dass ich sowohl einen fahrbaren Untersatz, sowie mein Rennrad holen werde, da ich mir vorstellen konnte, länger in diesem Land zu bleiben.

Für die Zeit bis zu meinem Urlaub wurde ein adäquater Ersatz gesucht, aber nicht wirklich gefunden. Sport-Geschäfte sind in Fujairah zu diesem Zeitpunkt rar gesät und den einzigen Laden mit Rennrädern habe ich in 170 Kilometer Entfernung in Dubai gefunden. Wolfgang Hohmann betreibt seit vielen Jahren in Dubai einen Rennrad-Laden und vertreibt dort u.a. Scott und Cervelo. Leider sind seine Preise genauso wie seine Lokalität gewesen: weit weg von dem, was ich mir leisten konnte. Aus dem ersten Urlaub in Deutschland bin ich dann also mit Rennrad zurück in die Emirate gekommen und fing an die Gegend auf zwei Rädern zu erkunden und mir schöne Touren raus zu suchen.

Nach diversen kleineren Touren in den Außenbezirken der Stadt, ging es dann in die „Berge“. Von Fujairah nach Masafi sind es 30 km und rund 400 hm.

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Diese Touren wurden nach und nach ausgeweitet und als einen Höhepunkt gab es die Runde Fujairah-Masafi-Dibba-Fujairah (140km).

Im Osten des Landes gab es 2011/2012 aber nicht viel mehr und wenn man irgendwelche sportlichen oder sonstigen Veranstaltungen besuchen wollte, musste man nach Dubai (120km) oder nach Abu Dhabi (300km). 2011 hörte ich auch zum ersten Mal von einem Event, das sich TrainYas nennt und jeden Dienstag abend auf der Formel 1-Strecke von Abu Dhabi stattfindet.

Dies wurde zu einem festen Bestandteil nach meinem Umzug im Juli 2012 nach Abu Dhabi.

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Trains Dezember 2012

Insgesamt bietet Abu Dhabi mehrere Möglichkeiten, die sich aber erst im Lauf der Zeit entwickelten. Ein großer Faktor für den Rennradboom war die neu gegründete Dubai Tour der Profis und etwas später dann auch der Abu Dhabi Tour, deren Botschafter niemand anderes als Marc Cavendish ist.

Durch meine Zeit in Abu Dhabi kam ich natürlich auch den Sportveranstaltungen näher und über die Seite premieronline ließ sich herausfinden, wann wo welche Events sind. Meine privaten Ausfahrten wurden über einen Kollegen der im Rettungsdienst arbeitet 2013 zu Teilnahmen an Jedermann-Rennen. Die Saison startet Ende August oder Anfang September und dauert bis März/April. Die Angebote sind vielfältig und haben sich über die Zeit natürlich deutlich vermehrt.

Eines der größten Events ist das Rennen Spinneys Dubai92, welches 4 Aufbaurennen hat, nachdem die Startplatzierung ermittelt wird und das finale Rennen Mitte Dezember über eine Distanz von ungefähr 92km. Seit 2015 gibt es eine Kurzdistanz für Junioren (56km).

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Build-up ride 2 von 4 2015

Da sich meine sportliche Ausrichtung etwas vom reinen Rennradsport verschoben hat, startete ich auch unter anderem bei der Giant Duathlon Serie in Dubai mit jeweils 6 Rennen pro Saison und seit 2014 auch im Triathlon, wobei ich mich nicht entscheiden kann, welches Event ich als meinen Höhepunkt bezeichnen soll. TriYas rund um die Rennstrecke oder den in der Stadt – fürher AD International Triathlon, seit 2015 ITU World Series Rennen.

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Abu Dhabi International Triathlon 2014

Nicht nur die Events haben sich vermehrt, auch die Trainingsmöglichkeiten werden mehr und mehr. Das normale Straßennetz ist nur bedingt nutzbar und sollte vom Einzelfahrer nch Möglichkeit (außer Freitag und Samstag morgen) gemieden werden. Ich habe leider zu viele Unfälle gesehen. Trauriger Höhepunkt war 2014, als Roy Nasr (Gründer des Teams TriDubai) beim Training bei einem Unfall getötet wurde. Bei organisierten Ausfahrten, die i.d.R. Freitag und/oder Samstag morgen stattfinden ist allerdings oftmals ein Support-Fahrzeug dabei, dass auch als Absicherung nach hinten dient. Organisiert werden solche Ausfahrten u.a. von den Dubai Roadsters (zugehörig zu Wolfis Bike Shop), Raha Revolution (Dubai), Yas cycles (Abu Dhabi) oder Raha Cycling (Abu Dhabi), bei denen ich gelegentlich mitfahre. Es gibt –bei Raha cycling- unterschiedliche Streckenlängen und Durchschnittsgeschwindigkeiten und ein sehr gutes Miteinander, aber leider ist die Streckenführung immer noch begrenzt.

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Dubai Roadsters 2012 Hatta Ride

Ausfahrt mit Raha Cycling https://www.youtube.com/watch?v=PG9lb2qe82E

Wer es individuell UND sicher mag, der kann sein Rad einpacken und nach Al Wathba (Außerhalb Abu Dhabi Richtung Al Ain) fahren und auf einer abgesperrten, beleuchteten alten Kamelrennbahn über unterschiedliche Distanzen seiner Lust fröhnen. TrainYas ist mittlerweile auch gewachsen. Es gibt mittlerweile zusätzliche Termine am Sonntag (StartYas), Mittwoch (GoYas – nur für Frauen) und iTrain auf der gesamten Insel mit unterschiedlichen Angeboten. Das schöne an diesen Angeboten ist, dass sie alle – durch die Mithilfe einiger Sponsoren – kostenlos sind.

Was allerdings ein Punkt ist, der einen bei allen Events freut ist die Sicherheit, die hier groß geschrieben wird. Bei allen Veranstaltungen mit Fahrrädern gilt der Grundsatz „No helmet – No ride“.

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Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.

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