Wahoo ELEMNT – Eine Garmin Edge Alternative? 1


Im September 2015 stellte Wahoo auf der Interbike seinen ersten GPS-Fahrradcomputer, den Wahoo ELEMNT vor.

Allerdings dauerte es noch mehr als sechs Monate, bis der ELEMNT in Deutschland erhältlich war.

Da ich bisher lediglich mit den Garmin Edge Modellen 500, 800, 810 und 1000 Bekanntschaft gemacht hatte, freute mich das Angebot von Wahoo, mir ein Testgerät zur Verfügung zu stellen.

So habe ich den ELEMNT seit einigen Wochen am Lenker, manchmal parallel zum Edge 1000, oft aber auch alleine, und habe mir mittlerweile eine gute Meinung bilden können.

Welchem Edge-Modell entspricht der Wahoo ELEMNT?

Der ELEMNT lässt sich vom Funktionsumfang nicht mit dem Garmin Edge 1000 oder dem (ab August 2016 lieferbaren) Edge 820 vergleichen.

Warum?

Er hat lediglich ein Schwarz-Weiß-Display (kein Touch-Screen) und kann nicht zur Navigation verwendet werden, es sei denn man hat vorher eine Strecke aufgespielt. Die kann man dann prima mit der Kartendarstellung ‚abfahren‘ solange man ein Auge auf dem gut ablesbaren 2,7“ Display hält.

Der Wahoo ELEMNT ist in etwa auf Höhe des Edge 520; mit einem UVP von 329,99 EUR (ohne Sensoren) auch preislich übrigens.

Das Unboxing

ELEMNT Unboxing

Der ELEMNT kommt in einer schön gemachten Verpackung daher. Faltet man den Deckel nach links auf, bekommt man auf der Innenseite einen ersten Überblick über das Gerät. Das ist gut gemacht!

In der Box befinden sich neben dem Fahrradcomputer eine Bedienungsanleitung, drei unterschiedliche Lenkerhalterungen und ein Micro-USB-Ladekabel. Das auf dem Foto gezeigte iPhone ist natürlich nicht im Lieferumfang enthalten. Es zeigt hier aber die für iOS und Android erhältliche Companion App, über die der ELEMNT aufgesetzt und verwaltet wird.

Die Lenkerhalterungen

Der ELEMNT wird mit drei Halterungen geliefert:

  • Halterung für die Befestigung vor dem Vorbau
  • Halterung für Zeitfahrlenker
  • Halterung, die direkt am Lenker oder auf dem Vorbau befestigt werden kann

Die beiden erstgenannten Halterungen werden mit einer Schraube fixiert.  Die Halterung für Lenker/Vorbau benötigt hingegen zwei Kabelbinder. Das ist weder gut gelöst, noch sieht es gut aus.

Braucht man so eine Halterung, empfiehlt es sich eine Garmin-Halterung zu besorgen. Die wird nämlich mit zwei Gummibändern am Lenker bzw. Vorbau befestigt.

Offiziell sind die Wahoo- und Garmin-Halterungen nicht kompatibel. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich der ELEMENT aber in eine Garmin-Halterung eindrehen, vorausgesetzt man hat die Garmin-Halterung vorher um 90° gedreht. Das ist nämlich so ziemlich der einzige Unterschied zwischen den beiden Aufnahmesystemen.

Die mitgelieferte Halterung für die Befestigung vor dem Vorbau (rechtes Foto) ist sicherlich die vom Rennradfahrer bevorzugte Halterung. Sie ist aus Plastik, entsprechend leicht und hält das Gerät bombenfest.

ELEMNT Halterung

Das Set-Up

Wow! Hier kann Garmin von Wahoo lernen.

Voraussetzung ist aber ein Smartphone mit iOS oder Android. Aber in der Regel dürften die potentiellen ELEMNT-Käufer so ein Smartphone haben.

Zunächst muss man die Wahoo Companion App auf das Smartphone laden. Dann startet man den ELEMENT, der nach dem Hochfahren einen QR-Code zeigt. Diesen Code scannt man einmalig mit der Companion App und ‚verheiratet‘ in weniger als einer Sekunde Smartphone und ELEMNT.

Dann koppelt man die Geräte über Bluetooth und erstellt ein Wahoo-Comapnion-Konto. Ich habe das einfach über mein Facebook-Konto gemacht, um nicht noch ein weiteres Passwort merken zu müssen.

Danach legt man fest, mit welchen Apps die Companion App Daten austauschen darf.

Überraschender Weise kann man mit der Companion App sogar Daten auf Garmin Connect hochladen.

Der Datenaustausch erfolgt übrigens über WLAN, direkt vom ELEMNT. Das Smartphone wird dafür nicht gebraucht und muss auch nicht beim Radfahren mitgenommen werden (solange man auf Tracking, Anzeige von SMS und Telefonanrufen etc. verzichten kann).

ELEMNT Set-up

Nach dem Set-up zeigt die Companion-App wie der ELEMNT über die drei Bedienknöpfe bedient werden kann. Einen Touch-Screen, vergleichbar mit der Edge-Familie, hat der ELEMNT nicht.

Die Bedienknöpfe sind allerdings intuitiv zu bedienen. Als langjähriger Edge-Nutzer vermisse ich den Touch-Screen nicht. Im Gegenteil! Gerade mit Handschuhen sind die Bedienknöpfe klar im Vorteil.

Über die Bedienknöpfe an der rechten Seite wählt man übrigens, wie viele Datenfelder gleichzeitig angezeigt werden. Drückt man den oberen Knopf, reduzieren sich die Informationen und die Zahlen werden größer. Über den untere Knopf erreicht man das Gegenteil.

Gegenüber Garmin ist das ein Fortschritt. Beim Edge 1000 und Co. muss man im Set-up festlegen, wie viele Datenfelder auf der Seite gezeigt werden. Während der Fahrt ist das nicht zu ändern, falls man nicht umständlich ins Set-up will.

ELEMNT Bedienung

Witzig ist die LED-Anzeige links vom Display. Die ist unterschiedlich belegbar und zeigt bspw. an, ob der Sportler gerade schneller/langsamer als der bisheriger Schnitt unterwegs ist oder bspw. mit höheren/niedrigeren Wattwerten fährt.

Als Standard ist die LED-Anzeige mit ‚Durchschnittsgeschwindigkeit‘ belegt. Man sieht so mit einem Blick ob man sich gerade den Schnitt versaut, diesen hält oder noch was drauf packt.

Einrichten des ELEMNT

Das Einrichten des ELEMNT mit der Companion App ist kinderleicht, egal ob es die eigenen Trainingszonen oder das Einbinden der Sensoren (Puls, Watt, Trittfrequenz etc.) betrifft.

Companion App

 

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Strecken-Navigation

Strecken zur Naviagtion kann man unterschiedlich generieren. Einfach geht es bspw. mit Strava, aus einer anderen Datei oder aus dem eigenen Trainingsverlauf.

Über die Companion App lassen sich die Strecken einfach verwalten. Alle Strecken, die sich in der App wiederfinden, sind gleichzeitig auf dem ELEMNT verfügbar.

 

ELEMNT Streckennavigation

Die Strecke wird, wie hier links gezeigt, dick mit Pfeilen markiert. Das spitze Dreieck ist der eigene Standort. Im obigen Beispiel ist der Radfahrer noch nicht auf der Strecke, die aufgrund der Darstellung leicht zu finden ist.

Mit meinen Edge-Modellen habe ich mich bei der Streckennavigation schon öfter verfahren. Beim ELEMNT ist mir das noch nicht passiert.

Achtung, aktualisierte Info:

Navigation in Echtzeit

Konnte man bis dato nur Strecken abfahren, die man vor Fahrtantritt auf den ELEMNT geladen hatte (siehe Strecken-Navigation), kann man jetzt mithilfe der Companion-App jederzeit navigieren – und das kinderleicht! Die Zieleingabe erfolgt dabei nutzerfreundlich über das Smartphone, das sich danach in Sekundenschnelle mit dem ELEMNT synchronisiert. M.E. ist das ein tolles Alleinstellungsmerkmal. In Sachen Navigation muss der ELEMNT den Vergleich mit Garmin Edge 1000 oder 820 also nicht scheuen. Mehr Infos, incl. Video findest Du hier.

Das Live-Tracking

Per Email, oder bspw. auch auf Facebook, kannst Du andere einladen Dich zu lokalisieren. Allerdings sieht man (siehe rechts) lediglich den aktuellen Standort, nicht aber die bereits zurück gelegte Strecke.

Darüber hinaus (siehe links) zeigt der ELEMNT die Standorte anderer ELEMNT-Nutzer, die das Tracking für Dich frei gegeben haben.

Gerade am Berg dürfte das eine spaßige Angelegenheit sein.

Garmin wird die Funktion bei dem Edge 820 ebenfalls anbieten und vermutlich wird der Edge 1000 ein entsprechendes Software-Update erhalten.

ELEMNT Live Tracking

A propos Software-Updates. Die Hersteller halten Ihre GPS-Computer in der Regel aktuell und schieben neue Funktionen nach.

So auch Wahoo. Heute kann der ELEMNT Strava Segmente noch nicht live anzeigen. Im Sommer 2016 (also bald) soll ein Software-Update Abhilfe schaffen.

Die Akkuleistung

Wahoo gibt 16 Stunden Laufzeit an. Das wäre sensationell gut und besser als die Akkulaufzeit des Garmin Edge 1000. Dessen Akku soll 14 Stunden halten. Oft – und je nach Einstellung – geht dem Garmin schon nach 11 Stunden die Puste aus.

Beim ELEMNT ist das aber nicht viel anders. Gestern, nach etwa 4 Stunden Laufzeit, war die Batterieanzeige bei 62 %. 17 Stunden erscheinen unrealistisch. Update: 14 Stunden sind durchaus drin, wobei die Batterieanzeige am Anfang schneller fällt. Zeigt sie 50% ist nich weit mehr als weitere 50% im (Akku-)Tank.

Die Steuerung von Smart-Trainern

Über den ELEMNT lassen sich die Smart-Trainer Wahoo KICKR und SNAP steuern. Trainer von Fremdherstellern werden bisher nicht unterstützt.

Mein Fazit

Der Wahoo ELEMNT ist ein interessanter GPS-Radcomputer, der es in vielen Punkten mit den Garmin-Modellen aufnehmen kann. Das Bedienkonzept ist erfrischend anders und gefällt – v.a. in Verbindung mit der Companion App.

Allen, die auf echte Navigation verzichten können und nur vorher festgelegte Strecken nachfahren, sei er wärmstens empfohlen.  Auch echte Navigation ist nunmehr möglich, dank neuer Funktionalität der Companion App.

Den Touch-Screen oder das Farbdisplay des Edge 1000 habe ich übrigens nicht vermisst.

Der Wahoo ELEMNT ist ein rundum gelungenes Gerät, jetzt wo man auch navigieren kann, das die Bedürfnisse der allermeisten Radsportler mehr als befriedigt. Vor allem die Usability ist weitaus besser als bei der Konkurrenz. Kauftipp!!!

Den vollen Funktionsumfang des ELEMNT findest Du auf der Seite von Wahoo.

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Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.


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Ein Gedanke zu “Wahoo ELEMNT – Eine Garmin Edge Alternative?

  • Michael B.

    Danke für den Bericht. Den Wahoo kannte ich noch nicht. Ich werrde ihn mir näher anschauen. Beste Grüße, Michael
    P.S.: Vielen Dank für den Top-Blog. Ich lese bei dir sehr gerne. Authentisch und glaubhaft – ein Radfahrer wie Du und ich. Weiter so!