Garmin Varia Radar – Liebe auf den zweiten Blick


Am 3.9.2015, dem Eröffnungstag der IFA in Berlin, stellte Garmin eine neuen Produktlinie unter dem Namen Varia vor.

Neben einem Front- und Rücklicht wurde auch ein so genanntes ‚Fahrrad-Radar‘ vorgestellt.

‚Was für ein Quatsch! Dinge, die die Welt nicht braucht!‘, dachte ich damals.

Warum soll man ständig auf den Garmin Edge oder das im Bundle mitgelieferte Display des Radar blicken, um zu schauen, ob ein Auto von hinten kommt? Ein Schulterblick tut es schließlich auch.

Varia Radar – Liebe auf den zweiten (oder dritten?) Blick

Kürzlich hat mich das Varia Vision Insight-Display positiv überrascht, auch wenn es preislich an (über?) der Schmerzgrenze liegt.

Beim Varia Vision hat man das Display ständig im bzw. vor dem Auge. So würde ggf. auch das Varia Radar Sinn machen, dachte ich, und fragte bei Garmin ein Testgerät an.

Nach wenigen Tagen hatte ich das Garmin Varia Radar als ‚Rearview Radar Bundle‘ auf dem Tisch. Das Bundle besteht aus dem RTL 501, also dem Radar-Rücklicht, und dem Varia RDU, dem Varia Radaranzeigegerät für den Lenker, und kostet UVP 299 EUR.

Das RTL 501 gibt es auch einzeln, was mir genügt hätte, da das Radar mit den neueren Edge-Geräten kompatibel ist. Alleine kostet es dann UVP 199 EUR.

199 EUR sind immer noch ein stolzer Preis, als Add-on zum Garmin Edge. Aber das Ding kann was!

Die Abstandsmessung

Das Varia Radar verfügt über eine Abstandsmessung. Ab einer Entfernung von 140 Metern werden bis zu acht, sich von hinten nähernde Fahrzeuge, erfasst.

Das funktioniert nach meiner bisherigen Erfahrung sehr gut. Auf dem Garmin Edge (oder der optionalen RDU-Lenkereinheit) wird angezeigt, sobald sich ein Fahrzeug nähert, und, wie weit es noch entfernt ist.

Hier ein Screenshot von der Garmin-Website:

Varia Radar

Oben rechts in der Ecke seht Ihr drei Linien im Viertelkreis. Das ist das Symbol des Varia-Lichtnetzwerks. Sobald ein Varia-Lichtsensor gekoppelt ist, zeigt der Edge dieses Symbol.

Das Varia Radar zeigt erst einmal kein weiteres Symbol. Erst wenn das erste Auto sich nähert, zeigt es die orangen (bei mir etwas rötlicheren) Streifen links und rechts, und – als Punkte – die Verkehrsteilnehmer. Der obere, farbige Punkt ist die Gefahrenstufen-LED. Sie wechselt von grün bis rot, je nach Gefahr. Die weißen Punkte  darunter sind die sich von hinten annähernden Fahrzeuge.

Wie weit die Autos entfernt sind, hat man schnell im Gefühl.

Sobald das letzte Auto vorbei ist, schaltet die Anzeige auf grün. Kommt länger kein Auto von hinten, verschwinden die farbigen Streifen ganz.

Das gefällt mir gut – selbst ohne Varia Vision Insight Display!

Varia Radar in Kombination mit dem Varia Vision Insight Display

Varia Radar und Varia Vision Insight Display ergänzen sich perfekt. Auch im Display des Varia Vision werden die annähernden Fahrzeuge als Punkte am rechten Display-Rand gezeigt. Nur in weiß, obwohl das Varia Vision Farben darstellen kann, aber immerhin.

Das Varia Vision spielt seine Stärken aus. Kein Blick nach unten bzw. weg von der Straße ist notwendig, um die Situation nach hinten im Auge zu behalten. Stark!

Das Rücklicht

Das Radar-Rücklicht ist in seinen Abmessungen relativ klein und leicht. Allerdings wird es quer an der Sattelstütze angebracht, wodurch es optisch größer erscheint.

Es sind acht LEDs über die gesamte Breite verteilt, von denen im Betrieb zunächst die mittleren zwei leuchten. Nähern sich Autos, werden die anderen LEDs zugeschaltet.

In Deutschland ist nur das Modell RTL 501 zugelassen, da es die StVZO-Vorgaben erfüllt. Blinklicht ist in Deutschland nämlich nicht erlaubt.

Beim RTL 501 wird nur der so genannte ’ständige Lichtmodus‘ unterstützt. Die zwei mittleren LEDs leuchten immer. Nähert sich ein Fahrzeug, schalten sich die weiteren LEDs nacheinander ein, je näher das Fahrzeug kommt.

Das RTL 500 hat hingegen einen Blinkmodus. Die vier mittleren LEDs blinken ständig. Nähert sich ein Fahrzeug, schalten sich die anderen LEDs nach und nach zu und blinken schneller. Allerdings unterstütz das RTL 500 auch den ’ständigen Lichtmodus‘.

Mir wäre es lieb, tagsüber blinkend fahren zu können. Das erhöht nämlich die Akkuleistung erheblich!

Lt. Bedienungsanleitung hält der Akku im ständigen Modus bis zu fünf Stunden, im Blinkmodus aber bis zu acht Stunden.

Die fünf Stunden kann ich aus dem Alltagsbetrieb bestätigen!

Gut ist, dass der Edge frühzeitig warnt, bevor dem Radar die Puste ausgeht.

Individuelle Einstellung der Helligkeit

Über den Edge kann man (vielleicht auch?) die Helligkeit des ständigen Lichtmodus verändern.

Allerdings erschließt sich mir die Logik nicht.

Im Menü (Licht-)Netzwerkoptionen werden folgende Stufen angeboten:

Automatisch / Gute Sichtbarkeit / Individuell

Hat man eine davon gewählt, wird der jeweilige Status, schwarz hinterlegt, zwischen den Menüs ‚Netzwerkoptionen‘ und ‚Radar‘ gezeigt (obere Reihe).

Geht man nun jeweils in die Einstellung ‚Radar‘ wird im Untermenü immer ‚Lichtmodus Maximal‘ angezeigt, egal welche Stufe man bei ‚Netzwerkoptionen‘ gewählt hatte (mittlere Reihe).

Allerdings ist nur bei Stufe ‚Individuell‘ der Eintrag ‚Lichtmodus Maximal‘ wählbar. Tippt man auf diesen Eintrag, finden sich die Optionen ‚Maximal‘ und ‚Aus‘ (unten rechts).

Das ist noch verbesserungswürdig – zumal es in der Bedienungsanleitung nicht dokumentiert ist. Eine Software-Aktualisierung wird es wohl richten.

Lichtmodus

Das Rücklicht als Sicherheitsgewinn

In jedem Fall erhöht ein eingeschaltetes Rücklicht die Sicherheit für den Radfahrer. Autos überholen dann – subjektiv wahrgenommen – vorsichtiger, bzw. mit einem größeren Seitenabstand.

Das weiß ich, seit ich mit meiner Fly6 (Rücklicht-Kamera-Kombination) durch die Gegend fahre.

Also warum nicht auch am Tag mit Rücklicht fahren?

Die Halterungen(en)

Toll ist, dass das Radar-Rücklicht, genau wie die RDU-Einheit, mittels der bekannten ‚Vierteldreh-Halterung‘ befestigt wird, die wir schon von der Edge-Serie kennen.

Neben einer Halterung, die an der Sattelstütze verschraubt wird (Mitte oben) und für Sattelstützen mit Durchmesser 27,2 mm und 31,8 mm passt, wird eine Universalhalterung mitgeliefert (unten). Diese wird mittels eines Gummirings an der Sattelstütze befestigt und ist schnell von Rad zu Rad getauscht. Für diese Halterung liegt ein zwei Adapter bei: einer für runde Sattelstützen und ein anderer für Aero-Stützen.

Varia Radar Halterung

Abmessungen, Gewicht und Leistung

Varia Radar Rücklicht

  • Maße: 7,3 cm x 4,4 cm x 2,3 cm
  • Gewicht: 63,5 gr
  • Lumen: 15
  • Akkulaufzeit (High Power Modus): 4 Stunden (lt. Webiste) 5 Stunden (lt. Bedienungsanleitung)
  • Ladezeit: 2 Stunden
  • ANT+
  • Wasserbeständigkeit: IPX7

Ein Ärgernis gab es zu Beginn

Über ein Ärgernis muss ich aber dennoch berichten.

Egal welche Garmin-Geräte ich in den vergangenen zwei Jahre in den Händen hatte, alle waren mehr oder weniger ‚Plug-and-Play‘. Einschalten und fertig.

So auch das Garmin Varia Radar, dachte ich.

Schnell war das Gerät über das Sensorenmenü des Garmin Edge gekoppelt.

Das Rücklicht wurde als ‚Leuchte‘ erkannt und zusätzlich als ‚Radar‘ – hier mit dem Namen 19620 angezeigt. Auch das Leuchten-Symbol in der oberen rechten Ecke war sofort zu erkennen.

Koppelung Varia Radar

Ich also raus aufs Rad mit Edge und Varia Vision Insight Display. Die Enttäuschung war groß, denn nichts passierte. Autos zuhauf, aber nichts im Display.

Erneutes Koppeln, Ein- und Ausschalten des Radar, Reset des Edge … nichts half!

Dann stieß ich per Zufall auf einen Blogartikel, der eigentlich vom Garmin Varia Vision handelte.

Dort hieß es zum Vision Display:

‚… und (im Gegensatz zu meinem letzten Garmin-Test-Dings, dem „Rearview Radar Bundle„) nicht nur laut Betriebsanleitung, sondern tatsächlich sofort betriebsbereit: Mit dem „Edge“ (Garmin stellte mir den Edge 1000 zur Verfügung) koppeln war so einfach, dass es fast peinlich ist, es überhaupt zu erwähnen.‘

Aha. Da hatte also noch jemand Probleme mit dem Radar gehabt. Kurz den entsprechenden Artikel des Kollegen angeschaut und dort erfahren, dass es bei ihm erst nach einem Software-Update des Varia Radar geklappt hatte.

Aktualisiert war das Gerät über Garmin-Express sehr schnell.

Die LEDs fingen an, von links nach rechts zu leuchten. Zum Schluß zeigte die Status-LED in grün, dass das Update abgeschlossen war.

Nun war es soweit: Das Radar funktionierte.

Aber woher soll man sowas wissen?

An dieser Stelle vielen Dank an DerRottenberg!

Update Varia Radar

Fazit

Macht das Varia Radar Sinn? Ich glaube wohl und – wider Erwarten – nicht nur in Kombination mit dem Varia Vision Insight Display.

Auch wenn ich mich nicht 100% darauf verlassen würde, macht es das Radfahren angenehmer.

Bei uns im Rhein-Main-Gebiet ist sehr viel Verkehr.

Wer kennt es nicht? Man wurde gerade von mehreren Fahrzeugen überholt. Die Motoren dröhnen und aber man kann nicht genau lokalisieren, woher das Motorengeräusch kommt. Von den Fahrzeugen, die gerade überholt haben? Von entgegen kommenden Fahrzeugen? Oder doch von Fahrzeugen, die sich von hinten annähern?

Kann ich etwas weiter in der Mitte fahren oder muss ich gleich wieder in die von LKWs und Winterwetter zerschundene Spur gleich rechts vom Fahrbahnrand?

Varia Radar hilft dabei, solange man Folgendes beherzigt:

Warnhinweis Varia Radar

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Über Claude

Claude ist nach langer Radabstinenz, und mehr als 20 kg Übergewicht, seit 2008 mit dem Fahrrad unterwegs; nicht gut, aber mit Freude. Neben gesunder Ernährung sind es v.a. ‚Gadgets‘ und neue Produkte rund ums Rad, die ihn interessieren. Sein Herzblut hängt an der Vätternrundan in Schweden – 300 km die ihm jedes Jahr aufs neue Respekt abverlangen.

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